An dieser Stelle sollen immer die aktuellen Predigten aus der Krankenhausseelsorge von Hans-Jürgen Himstedt erscheinen





2.Sonntag im Jahreskreis C




Liebe Mitchristen , hier in der Kapelle,
liebe Patientinnen und Patienten

Wir haben unsere drei Kinder verheiratet. Jede Hochzeit war anders, jede hatte ihren eigenen Charakter. Sie waren so unterschiedlich wie unsere Kinder sind. Aber bei allen war es eine aufregende Zeit, das Kleid, das Essen, der Anzug, bei einem Paar mehr oder auch weniger wichtig. Es wurde überlegt, geplant und verworfen. Ziel bei unseren Kindern und Schwiegerkindern, es soll ein schönes Fest sein in der Kirche und auf dem Saal, ein großartiges Fest über das wir und unsere Gäste noch lange reden werden. Und so war es.
Das war damals als unsere Geschichte spielt sicher genauso: ein wichtiger Tag für die Brautleute. Und so lässt Johannes in seinem Evangelium das erste Auftreten von Jesus während einer Hochzeit geschehen. Und Johannes macht es uns nicht ganz einfach mit den vielen Bildern und Deutungen in seinen Texten: das werden wir in den nächsten Wochen des Jahres erleben. Da ist jedes Wort wichtig, denn Johannes will nicht einfach nur berichten, sondern er legt aus, er deutet das Leben Jesu und seine Lehre. Lassen Sie uns einige Bilder betrachten, die er in seinem heutigen Evangelium gebraucht und sie hinterfragen und ausdeuten:
Hochzeit: mitten im Leben tritt Jesus in Erscheinung. Hochzeit, das ist Neuanfang, Neubeginn. Die Brauleute verlassen ihr Elternhaus (damals auf jeden Fall) Sie beginnen einen eigenen Weg, mit Familie, mit Kindern. Hoffnung auf das Gelingen der Partnerschaft ist groß, dunkle Wolken an so einem Tag selten. Und so einen Neuanfang erlebt Jesus mit seiner Mutter und seinen Freunden auf dem Fest. Nicht nur Neuanfang für die Brautleute, auch Neuanfang für ihn. Die Hochzeit dauert schon einige Tage. Die Stimmung ist gut, der Bräutigam, hat seine Braut vom ihrem Elternhaus abgeholt, der Rabbi hatte die segenworte über die Eheleute gesprochen und das große Festmahl hat begonnen. Dann eine Blamage: der Wein ist aus. Auf dem Bild von Horst Räcke ist genau diese Szene dargestellt. Im Hintergrund wird gelacht und getanzt, die Musik spielt auf. Die Männer im Vordergrund sprechen dem Wein kräftig zu, da rinnt so mancher Becher durch die Kehlen. In der Mitte der verantwortliche Speisemeister , mit finsterem sorgenvollen Gesicht, das Brautpaar diskutiert heftig. Etwas stimmt nicht. „ Sie haben keinen Wein mehr“
Maria macht Jesus darauf aufmerksam. Aber er ist unwirsch. „Meine Stunde ist noch nicht gekommen“- Aber Maria behält die Nerven. Jesus ist völlig entspannt, seine Mutter redet ihm zu, aber er rührt und regt sich nicht. „Was er euch sagt das tut“. Maria- seine Mutter- nur zweimal wird sie bei Johannes genannt. Bei der Hochzeit, ganz am Anfang seines Tuns: Es ist eine Frau, die den Anschub gibt. Wie so oft im Evangelium. Hier Maria, dann Martha und Maria, Maria Magdalena und andere, die ihn begleiten. Das kann doch kein Zufall sein? Und Maria wird am Ende erwähnt unter dem Kreuz, als Jesus ihr Johannes anvertraut: Sieh da deine Mutter. Fast wie eine Klammer um das Leben Jesu ist Maria, sie hält alles zusammen, was ihren Sohn angeht. Und so wird sie zum Grundstock der christlichen Gemeinde.
„Füllt die Krüge mit Wasser und bringt dem Speisemeister“. Und siehe, es war ein guter
Wein, fast 600 Liter. Und der Vorsteher macht dem Bräutigam Vorwürfe. „Wenn die Leute schon viel Wein getrunken haben, dann kommst du mit dem guten Wein. Das gehört sich nicht. Den guten serviert man zu Beginn des Festes“ Ein Wunder mitten im Leben. Wasser zu Wein. Vielleicht mit sogar etwas brackigem Wasser. Aber Jesus macht auch aus nicht so gutem Gutes. Wein, das ist für uns heute auch noch ein wertvolles Getränk. Viel Arbeit steckt darin: Vom Weinberg und Rebstock zur Traube, zur Kelter und zum Wein. Begriffe, die uns aufhorchen lassen: das „Gleichnis vom Weinstock und den Reben“. „Ihr gehört zu mir, seid fest mit mir verbunden. – Und er nimmt Brot und Wein als Zeichen seiner Gegenwart beim Mahl, ein Mahl des wir bis heute Tag für Tag feiern.
Wein, das ist Freude, Wein, das ist Fest. Wein das ist Mittel gegen Krankheit ( wie Paulus Timotheus empfiehlt ) Und 600 Liter Wein das ist Überfülle. Reichtum. Ein Zeichen für das was kommen wird, ein Zeichen für die Langlebigkeit des Glaubens. Nicht Not, Tod und Krankheit führen zu diesem Wunder Jesu, sondern Freude und Fröhlichkeit. Und so können wir schöpfen aus der Fülle des Lebens, das er uns anbietet. Unser Glaube ist nicht Unterdrückung durch Regeln, er gibt uns Freiheit. Schöpfen wir aus dieser Fülle. Schöpfen wir in unserer Kirche aus der Fülle der Gnadengaben und Charismen, Schöpfen wir die Liebe und Zuwendung der Frauen in der Kirche, die Charismen der Laien. Der Prediger und Professoren. Nicht Vertuschung, sondern Wahrheit steckt in der Fülle des Lebens, nicht das Absetzen von anderen durch Amt und Würden, sondern die Gleichheit der Menschen. Das ist die Fülle des Lebens in den Krügen von Kana

Und so entwickelt sich aus dem ersten Auftreten Jesu seine Besonderheit, seine Kraft, die Johannes in seinem Evangelium immer wieder deutlich macht in seinen Zeichen und Bildern: Jesus ist Weg, Licht, Geist, Leben, Wahrheit.

Und so sind wir alle eingeladen zu diesem Fest des Glaubens, diesem Sinnbild Hochzeit. Wir sind eingeladen zum großen Fest. Auch wenn wir Zweifel und Ängste haben, wenn wir krank sind und in Not, wenn wir traurig und betrübt sind, nicht mehr ein und aus wissen, dann ist da die Einladung Jesu zum Fest der Glaubens: hier erfahren wir seine Liebe , Hingabe und Verlässlichkeit, seine Freude und seinen Glauben an den Vater, den er uns vorgelebt hat, in allem was er tat, von der Hochzeit zu Kana bis zum Tod, zur Auferstehung und Geistsendung. Und eine kleine Anekdote, Warum uns das alles betrifft:
Zum Kirchenlehrer Hieronymus kam einmal ein Zweifelnder nach der Lektüre des Schrifttextes und erklärte: »Das ist ja eine Unmenge von Wein! Haben die das alles noch getrunken?« - Hieronymus antwortete nachdenklich: »Ja, und wir trinken heute noch davon.«




1.Advent  Lesejahr C

Liebe Mitchristen hier in der Kapelle, liebe Patientinnen und Patienten


Adventszeit erwarten- wünschen – geben und nehmen
Heute haben wir die erste Kerze im Advent angezündet. Hier vorne im Altarraum auf dem Adventskranz leuchtet ihr Licht. Still, anheimelnd noch ein wenig schwach. Bei Tageslicht kaum zu sehen. In der Dämmerung und Dunkelheit des Abends und der Nacht leuchtet sie schon hell und gibt ihr Licht in den Kapellenraum ab. Ein Licht nur, aber bald werden es mehr, ein zweites, drittes und viertes. Und dann Weihnachten, Ziel der vierwöchigen Adventszeit – ein Lichtermeer
Advent: Eine Zeit des Wartens und Erwartens. Eine Zeit der Hoffnungen und der Wünsche. Wir leben auf den großen Tag hin. Sehnsucht kennzeichnet diese Tage bis zum Fest.
Auch das heute Evangelium spricht von der Erwartung der Ankunft Gottes, vom Ende der Zeiten. Jesus sagt die Zeichen voraus, aber nicht eine Schreckensnachricht verkündet er, sondern eine frohe Botschaft, wenn das geschieht, dann ist Gott bei euch. Und die Menschen die das Evangelium schrieben glaubten, dass diese Ankunft des Herren noch zu ihren Lebzeiten erfolgen würde. Das aber ist bis heute nicht geschehen. Zukunftsaussichten. Die Auswahl dieses Textes für den ersten Advent in der kirchlichen Lesesordnung schlägt in diesem Jahr einen weiten Bogen. Nicht das Kind in der Krippe, Maria, Josef oder Johannes der Täufer stehen im Mittelpunkt und am Ende sondern die Erlösung, die Heimkehr und die Ruhe in Gottes ewiger Liebe. Die Erfüllung der Sehnsucht.

Aber seien wir doch mal ganz ehrlich, was erwarten wir, was ersehnen wir?
In diesen Tagen berichteten die Nachrichten, dass die Deutschen in diesem Jahr beabsichtigen eine Rekordsumme für Weihnachtsgeschenke ausgeben zu wollen. Die Wirtschaft jubelt und frohlockt. Weihnachten das Fest der Geschenke. Je größer, je teurer desto besser.

Entspricht das nicht auch unseren allgemeinen Erwartungen an das Leben – oder sind es nur einzelne? Einkommen, Gewinnmaximierung, hohe Dividende, hohe Löhne, Abfindungen Entgelte bei den Spitzenmanagern um 20 Millionen jährlich? Familienväter und Mütter haben 2 Jobs, damit man sich möglichst viel leisten kann, denn „unsere Kinder sollen es mal besser haben“. Aus der Erwartungshaltung kann leicht eine Anspruchshaltung werden. „Ich habe Anspruch auf....“ Aber auf was habe ich einen Anspruch? Anspruch auf mehr und immer mehr, ich nehme und nehme, ich hoffe und erwarte... ich will und ich möchte.
Warten auf ... . Vergebliches Warten auf Wohlstand, Reichtum. Glück, Zufriedenheit... Hasten von einer Erwartung in die nächste, die übernächste und so fort. Sehnsucht und Sucht nach Erfüllung aller Wünsche, den letzten Kick.
So wird unser Leben zum Stress, zur Hektik, zum Nachlaufen der verpassten Gelegenheiten, zu Frust und Aufgabe.
Wir drehen uns um uns selbst. Ziele verlieren wir aus den Augen, nur noch „sich“ sehen ist angesagt. Wir sind in einem Teufelskreis.
Seien Sie ehrlich, diese oder jene Phase der Entwicklung ist auch Ihnen bekannt. Diese Handlungen und Vorstellungen sind menschlich, allzu menschlich.
Und darum ist es wichtig – in jedem Jahr den Advent zu feiern zu begehen. Eine Zeit der Ruhe und der Entspannung soll er sein. Eine Zeit der Besinnung und der Zielausrichtung.
Das Ziel ist uns gegeben – Ziel ist das Licht, symbolisch in der Kerze des ersten Advents. Wenn ich bereit bin den Weg anzunehmen kommt die nächste Station „mehr Licht“ dazu. Und die Texte des heutigen Evangeliums sprechen für sich: Das Ziel- ein Leben mit und in Gott. Da ist Hoffnung in der Verheißung Jesu; „Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf einer Wolke kommen sehen.
Wenn (all) das beginnt, dann richtet euch auf, und erhebt eure Häupter;
denn eure Erlösung ist nahe.“ Nicht verkriechen sollen wir uns, sondern erhobenen Hauptes können wir dem Kommen Gottes entgegen sehen. Nicht Vernichtung, sondern Erlösung hat sich unser Gott auf die Fahnen geschrieben. Wie das aussieht wissen wir nicht, aber wenn Gott das absolut Gute und Gerechte ist, dann brauchen wir uns keine Sorgen zu machen. Und nach Wortes des Apostels Paulus gibt uns Gott seine Verheißung, uns den jetzt Lebenden, eine Verheißung die wir hören müssen, in der Stille des Advents: „Der Herr lasse euch wachsen und reich werden
in der Liebe zueinander und zu allen, wie auch wir euch lieben, damit euer Herz gefestigt wird und ihr ohne Tadel seid, geheiligt vor Gott, unserem Vater, wenn Jesus, unser Herr, mit allen seinen Heiligen kommt“.
Und er fährt fort, uns den Weg aufzuzeigen, den wir gehen sollen: „Ihr habt von uns gelernt, wie ihr leben müsst, um Gott zu gefallen, und ihr lebt auch so; werdet darin noch vollkommener! Ihr wisst ja, welche Ermahnungen wir euch im Auftrag Jesu, des Herrn, gegeben haben.“

Ich möchte Ihnen einfach anhand einer Geschichte verdeutlichen, was gemeint ist mit dem, was wir lernen sollen, um anzukommen im Advent, um die Erwartungen Gottes an uns zu erfüllen, um unsere Erwartungen an uns zu erfüllen, um einen Weg der Erfüllung zu gehen:
Das Kind mit den großen Händen
Es war einmal ein Kind, dem mangelte es an nichts. Alles, was es sich wünschte, bekam es von seinen Eltern. Denn die Eltern stammten aus armen Verhältnissen und sagten sich: "Unser Kind soll es besser haben als wir." Und das Kind hatte viele Wünsche: Spielzeug, Süßigkeiten, dies und das. Im Kinderzimmer war bald kein Platz mehr für die vielen erfüllten Wünsche.
Das ging so manches Jahr und das Kind wuchs heran. Aber schneller als seine Gestalt wuchsen seine Hände. Schließlich vergrößerten sie sich täglich um einen Millimeter. Bald konnte das Kind seine Schuhe im Stehen öffnen.
Die Eltern waren darüber sehr besorgt und suchten die verschiedensten Ärzte auf. Aber kein Arzt konnte die Ursache des schnellen Wachstums der Hände finden.
Die Leute auf der Straße blickten verwundert auf die Hände des Kindes. So große Hände hatte noch keiner gesehen. Das Kind schämte sich und hielt die Hände am Rücken versteckt. Nur wenn es einen Wunsch hatte, nahm es eine Hand nach vorne und zeigte: "Dies" oder "Das".
Schließlich kam das Kind ins Krankenhaus, wo es viele Wochen bleiben musste. Die Ursache des ungewöhnlichen Wachstums der Hände wurde aber nicht entdeckt. Seltsamerweise kam aber im Krankenhaus dieses Wachstum zum Stillstand. Aber - kaum war das Kind wieder entlassen, begann wieder dieses Zerren, Dehnen und Strecken. Die Fingerspitzen reichten nun schon fast auf den Boden hinab.
Die verzweifelten Eltern erfuhren von einem weisen Mann, der weit entfernt lebte. Dieser hörte sich diese Geschichte an und dachte dann lange darüber nach. Schließlich sagte er: "Euer Kind hat etwas Wesentliches nicht gelernt: das GEBEN! Es hat unzählig viele Wünsche ausgesprochen und immer nur genommen. Je größer und zahlreicher seine Wünsche wurden, umso schneller sind seine Hände gewachsen. Wie große, schöpfende Schalen sehen sie nun aus. Aber es sind Gefäße, die nur nehmen und nicht geben können"
Darauf sagten die Eltern: "Aber wir haben doch nur das Beste für unser Kind gewollt. Es sollte es besser haben als wir."
"Wer das Leben lehrt, muss auch seine Not lehren und die Hilfe, die andere nötig haben", entgegnete der Alte. "In dem Maße, wie euer Kind lernt, zu geben, werden seine Hände ihre Unförmigkeit verlieren und wieder kleiner werden."
Und jetzt geht in die Stadt und achtet auf die Menschen, die ihre Hände versteckt halten, weil sie zu groß geworden sind. Oder besser: Betrachtet eure eigenen Hände, ob sie nicht ein wenig zu groß geraten sind ...

Amen


16.Sonntag  Lesejahr B

Schafe ohne Hirten


16.Sonntag B – Predigt
Schafe sind nicht dumm, sondern einfach ausgeprägte Herdentiere. Schafe scheinen manchmal sture Tiere zu sein. Wer sich mit ihnen abgibt und ihre «Sprache» versteht, kommt jedoch gut mit ihnen zurecht.
Der Naturforscher Conrad Gesner beschreibt das Wesen von Schafen in seinem «Thierbuch» aus dem Jahre 1669 wie folgt: «Ein Schaf ist ein mildes, einfältiges, demütiges, stilles, gehorsames, furchtsames und närrisches Tier ... Ohne einen Hirten verlaufen Schafe sich bald und sind ganz irrig. Wenn eines sich verläuft oder verfällt, so stürzen sich die anderen alle hernach ...» Daraus wird ersichtlich, wie wichtig der Hirte und seine Hunde für die Schafe sind.

Als Jesus die Menge sah, die ihm gefolgt war hatte er Mitleid mit ihnen: denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Schafe in der Wüste, Schafe die sich verlaufen haben, die den Weidengrund verlassen haben und umherirren.. Sie sind verängstigt, schwach und dem Tode nahe.
Es sind Schafe, die aufgeschreckt wurden, dem Herdentrieb folgten und den Böcken nachliefen. Und da sieht der Hirt auf einmal fremde Schafe am Rand der Wiese auftauchen. Ganz erbärmlich sehen sie aus. Verdreckt, verletzt und abgemagert. Eine trostlose Herde!
Der Hirte merkt: Das sind Schafe ohne Hirten. Sie haben keinen, der sie auf grüne Weide und zum frischen Wasser führt. Sie haben keinen, der sie aus Dorngestrüpp und Felsspalten herauszieht. Sie haben keinen, der ihre Wunden mit Öl behandelt. Es wird nicht mehr lange dauern, dann werden diese Schafe zugrunde gehen, eines nach dem anderen. Der gute Hirte hat Mitleid mit diesen Schafen. Er erbarmt sich ihrer. Er ruft sie, lockt sie zu sich und gibt ihnen Namen. Er lädt sie ein, zusammen mit seiner Herde zu weiden. Er päppelt sie auf; er kümmert sich ebenso liebevoll um sie wie um seine eigenen.

Der gute Hirte kennt seine Schafe, und sie kennen ihn. Er kennt sie mit Namen. Er sagt: „Na, Manfred, drängele nicht so am Wasser¬trog, die anderen wollen auch trinken!“ Und er sagt: „Nicht so schüchtern Michaela ‘ran an den Wasser¬trog, sonst verdurstest du ja!“ Er sieht, dass Lily sich in einem Dorn¬engestrüpp verheddert hat und hilft ihr da wieder heraus. Auf die blutigen Kratzer am Kopf tupft er behutsam Öl. Lily blökt jämmer¬lich, und da redet ihr der Hirte gut zu: „Ich weiß, Lily, das tut jetzt ein bisschen weh, wird aber bald besser sein!“ Aber wo ist Fritz? Der Hirte hat stets die ganze Herde im Blick und weiß genau, wenn ein Schaf fehlt. „Fritz!“ ruft der Hirte, und noch einmal: „Fritz!“ Aber Fritz kommt nicht. Da nimmt der Hirte seinen Krummstab und macht sich auf den Weg, um Fritz zu suchen. Er braucht nicht lange zu gehen, da hört er auch schon ein paar klägliche Laute aus einer Felsspalte. Fritz ist auf einer übermütigen Entdeckungs¬tour da hineingeraten und kommt nicht wieder heraus. Der Hirte legt die Rundung von seinem Stab um Fritzens Körper und zieht ihn heraus. Beschämt trottet der Ausreißer hinter dem Hirten her, zurück zur Herde.

Und heute. Verlassen wir mal das Bild der Schafe. Viele machen sich auf allein oder in Gruppen um die Freiheit zu suchen. Sie entfernen sich von allem was bisher gut und gültig war. Sie hoffen auf einen guten Deal. Was andere gefunden haben sollen, das wollen auch sie: Macht, Reichtum, Anerkennung. Und so folgen sie dann den Schafen und Schafböcken, die ihnen einen Weg weisen. Sie stolpern und rennen nur dem Hintern des Vordermanns nach, sehen nicht rechts und links, nicht nach unten nicht nach oben. „Das Ziel bin ich“ – „Ich zuerst“…. Und so sehen wir sie den „Popu“-listen nachfolgen: den Trumps, den Orbans, den Seehofers, den Kurz und wie sie alle heißen. Nur ein Ziel vor Augen „ich zuerst“

Ich sehe immer noch die vielen Menschen in Deutschland, die sich um die Menschen aus Syrien und anderen Kriegsgebieten der Welt auf den Weg gemacht hatten gekümmert haben, um Frieden, Sicherheit und Geborgenheit zu finden, . Diese Menschen waren am Ende. Grenzen waren zu, sie vegetierten auf der Straße und auf Bahnhöfen. Viele Deutsche nahmen sich ihrer an: Essensspenden, Bekleidung und Unterkunft. Ja, es ist wahr- die Behörden waren überfordert. Ja, es ist wahr, unter den Flüchtlingen waren gefährliche schwarze Schafe. Manches haben wir erst später gemerkt und erfahren.
Aber die große Anzahl sind Menschen auf der Flucht vor dem Krieg, vor Bomben und dem Tod. Und die “Wirtschaftsflüchtlinge“ : auch sie fliehen vor Armut, Dürre in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Sie vertrauen den Schleppern, die sie ausbeuten, bestehlen und belügen.

Sie alle machen sich auf den Weg nach Europa, nach Deutschland… in der Hoffnung …

Menschen in unserer Region haben sich mit viel Engagement eingesetzt für alle diese Menschen in Not. Deutschland zeigte sich von der menschlichen, der humanitären Seite. Gerade die Kirchen sehen und sahen hier eine Aufgabe: Hirten zu sein für die die unterwegs waren. Wunden zu heilen ..

Und dann kam die rechten Parteien: AFD und auch einige der Christlichen Sozialen: Neid Debatten, „wir schaffen das nicht“. „Die nehmen uns alles weg“. „Wir sind die Armen“, „Wer gibt uns was… Immer nur die anderen, die Fremden, die Flüchtlinge….“ Jammern auf hohem Niveau.

DA fallen dann Begriffe: wie Asyltourismus und Abschiebeindustrie. Wir können sicher nicht der Welt helfen, die Menschen aus Unrecht und Not befreien. Nicht alle Kriegsflüchtlinge aufnehmen. Die größte Zahl der 68 Millionen irrt in Kriegsländern umher oder findet Unterschlupf in den Nachbarländern. Aber wir sollten uns hüten vor sprachlicher Verrohung. Es wird auch für die, die schon bei uns sind immer schwerer, denn sie werden stigmatisiert. Es kommen immer weniger Flüchtlinge, aber in den Medien und der Politik wird diese Frage – leider ohne Antworten- hochgekocht. Manöver an der Grenze, Stacheldraht, Polizei und Militär, Rückweisung, Abschottung, Einlaufstopp, Rettungsstopp… Grenzsicherung und ….
Es sind Menschen, die auf der Strecke bleiben. Bleiben auf dem Meer. Bleiben in Hoffnungslosigkeit.

Trump fordert mehr Rüstungsausgaben. Mehr Militär, mehr Atommacht und schürt Feuer an allen Ecken und Enden der Gesellschaft. Wir waren schon mal soweit „Schwerter zu Pflugscharen umzuschmieden“.
Für eine bessere Welt, für mehr Hilfen für die Alten in unserem Land, für Kinder und ihre Bildung.
Deutschland und die Kirchen tun viel auf dem caritativen Wegen in Deutschland und in der Welt. Unser Ziel muss sein: Aufbauen statt Einreißen, Frieden statt Bedrohung.

Menschen ohne Hirten. Menschen ohne den guten Hirten laufen in die Irre, vergessen die Grundlagen unseres Glaubens. Der gute Hirt kümmert sich um seine Schafe, um die eigenen und die fremden, um die verirrten und die braven.

Machen wir uns stark für den „ guten Hirten“ und laufen nicht falschen Hirten und Schafböcken nach. Seien wir nicht ein mildes, einfältiges, demütiges, stilles, gehorsames, furchtsames und närrisches Schaf sondern seien wir mutig, aufmüpfig, gerecht und manchmal widerspenstig, denn auf den Hirten ist verlass, er steht in Fragen der Menschlichkeit immer hinter uns: Sein Evangelium ist nicht Hass und Eigennutz. Sein Evangelium ist „Liebe und Hoffnung“. Amen











5.Sonntag nach Ostern

Evangelium vom Weinstock

Liebe Mitchristen hier in der Kapelle,
liebe Patientinnen und Patienten auf den Krankenzimmern.
Es war nur ein Zufall, dass ich als bekennender Pilstrinker das heutige Evangelium übernehmen musste. Wein, ich vertrage ihn nicht besonders gut. In der Familie damals war Wein nur bei besonderen Anlässe auf dem Tisch. - Vielleicht erinnern Sie sich an die damals gängigen Weinsorten: Weißwein: Liebfrauenmilch, Oppenheimer Krötenbrunnen und Kröver Nacktarsch. Wir Westfalen waren einfach keine großen Weintrinker. Heute ist das anders, Weißweine, Rotweine aus aller Welt füllen Meterlange Regale in den Abteilungen der Kaufhäuser und Weinhandlungen. Aber vielleicht ist es gut, wenn man an die Frage „Weinstock, Rebe und Frucht“ mal von außen herangeht. Und so möchte ich Sie zu meinen Gedanken einladen:
Wenn wir mit dem Auto im Süden unterwegs sind, da sehen wir schon von weitem die Weinberge. Gerade Linien ziehen sich über die Südhänge der Berge. Akkurat. Die Winzer geben sich viel Mühe, dass die Weinstöcke richtig ausgerichtet sind und guten Boden haben, damit der Wein am Ende des Jahres auch die nötige Qualität aufweisen. Was für eine Arbeit und Mühe: die Wurzeln der z.T. sehr alten Weinstöcke werden von Wildkräutern freigehalten, die jungen Rebtriebe werden sorgfältig befestigt, alte Triebe geschnitten. Neue Triebe zum Teil aufgepfropft.
Es ist eine Welt für sich, die der Schöpfer-Gott – so wie im Evangelium beschrieben da gestaltet und hegt und pflegt. Man erkennt seine Liebe zum Weinberg, seine Hingabe an die Arbeit alles im rechten Lot zu halten. Dem Weinstock gilt seine besondere väterliche Zuwendung. Er ist der Stamm, der Urgrund, das Herz, das den Lebenssaft in die Reben leitet. Ohne diesen Saft würden die Rebzweige verdorren. Rebzweige, die sich vom Stamm lösen, werden welk. Sie sind vielleicht den Stürmen des Lebens nicht gewachsen, Hagel des Hasses, Regen der Reizüberflutung und Stürme der Verzweiflung über Gott und die Welt haben sie abknicken lassen. Sie verloren den Halt und die Bindung. Sie werden entfernt. Menschen, die Zugang zum Rebstock suchen werden neu aufgepfropft und erhalten die lebenspendende Kraft. In dieser Phase werden die Reben ausgedünnt, gereinigt sagt der Fachmann. In dieser harmonischen Bildwelt stören allerdings die abgeschnittenen Reben, die ausgerissen und verbrannt werden (Joh 15,2. 6). Gerade vor dem Hintergrund der eben aufgezeigten Paradiesmetaphorik ist dieses Ins- Feuer-geworfen-Werden keine angenehme Vorstellung. Der johanneischen Gemeinde ging es möglicherweise wirklich darum, sich von «unfruchtbaren» Mitgliedern zu trennen. Doch dürfen wir, die wir in einer anderen historischen Situation als Johannes leben, den Text nicht auch anders lesen? Wirft nicht die oben aufgezeigte biblische und dem Johannes zeitgenössische «Weinstock-Literatur» ein etwas milderndes Licht auch auf die abgeschnittenen Reben? Der Text bei Johannes steht ja nicht isoliert da und soll wohl auch nicht isoliert gelesen werden. Um jede Rebe kämpft der Winzer, so wie Jesus jedem verlorenen Schaf nachgegangen ist. Gott ist Hüter und liebender Vater, der sich immer wieder den Menaschen zuneigt.
Im Gleichnis Jesu wird deutlich: der Vater legt den Weinberg an, der Sohn ist der Stamm aus dem alles Gute zum Leben kommt und wir sind die Rebzweige, die Frucht tragen sollen. Und auf die Früchte kommt es an. Die Früchte, die Trauben, goldgelb oder blau leuchten sie im Herbst durch das Grün der Weinberge. Darauf hat der Winzer gewartet. Jetzt kommt der Lohn für seine Arbeit. Mit Oexle Messer und mit dem Geschmack des Mundes wird geprüft. Wird es ein Jahrhundertwein? Leider tragen manche Weine saure Trauben: Lieblosigkeit, Verblendung, Eifersucht, ständiges Klagen, Schimpfen und Ungeduld. Das ist nicht das was der gute Winzer sich wünscht:
Wie stellen wir uns die guten Früchte des Weinstocks vor: Edel, süß und saftig und vollmundig . Und das ist das was wir eigentlich vom Weinstock mitbekommen haben: Sanftmut, Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft, ein Herz und eine Seele, Demut und Treue. Betrachten Sie einmal das Bild auf ihren Gebets Zettel: Christus der Weinstock, die Menschen als Reben und die Früchte die daraus erwachsen: Es sind die Werke der Barmherzigkeit. Menschen, die sich hungernden Kindern zuwenden, ihnen Essen und Kleidung geben. Menschen, die traumatisierte und traurige Kinder trösten, durch Wort und Tat. Menschen, die sich um Kranke und Sterbende kümmern, ihnen Trost geben, sie begleiten und sie versorgen. Ärzte, Schwestern und Krankenpfleger und Seelsorger hier im Klinikum handeln aus der Christlichen Sorge für Menschen. Durstige bekommen Wasser- Wir müssen uns einsetzten, dass Menschen in Afrika und Asien nicht vom Wasser abgeschnitten werden. Halten wir die Augen und Ohren offen.
Gefangenen und Gestrauchelten mit Offenheit begegnen ist so ein Werk der Barmherzigkeit. Viele Christen setzten sich in diesen Jahren für Geflüchtete ein. Sie geben ihnen eine zeitweise Heimat in einem fremden kalten Land. Sie versuchen diese Menschen vor Eifersucht und Misstrauen zu schützen. Wir sollten diese Helferinnen und Helfer unterstützen.
Jesus fasst in seinem Gleichnis seine ganze Lehre zusammen. Eine Lehre die er gelebt hat, eine Vision, die er an uns in seinem Wort gerichtet hat. Gott der Vater ist der Urgrund und der Schöpfer, der Sohn ist die Quelle allen Lebens. Wir Menschen leben durch ihn und an unseren Früchten wird man uns Christen erkennen:
Liebe, Freundlichkeit, Zuwendung, Geduld, Sanftmut, Fröhlichkeit und Mut aufzustehen gegen jede Form von Hass, Gewalt und Ungerechtigkeit. Denn was wir dem Geringsten tun, das haben wir ihm getan.
Und für die Biertrinker unter uns: „Auch an uns ist Hopfen und Malz nicht verloren.“ Amen
Liebe Mitchristen hier in der Kapelle,
liebe Patientinnen und Patienten auf den Krankenzimmern.
Es war nur ein Zufall, dass ich als bekennender Pilstrinker das heutige Evangelium übernehmen musste. Wein, ich vertrage ihn nicht besonders gut. In der Familie damals war Wein nur bei besonderen Anlässe auf dem Tisch. - Vielleicht erinnern Sie sich an die damals gängigen Weinsorten: Weißwein: Liebfrauenmilch, Oppenheimer Krötenbrunnen und Kröver Nacktarsch. Wir Westfalen waren einfach keine großen Weintrinker. Heute ist das anders, Weißweine, Rotweine aus aller Welt füllen Meterlange Regale in den Abteilungen der Kaufhäuser und Weinhandlungen. Aber vielleicht ist es gut, wenn man an die Frage „Weinstock, Rebe und Frucht“ mal von außen herangeht. Und so möchte ich Sie zu meinen Gedanken einladen:
Wenn wir mit dem Auto im Süden unterwegs sind, da sehen wir schon von weitem die Weinberge. Gerade Linien ziehen sich über die Südhänge der Berge. Akkurat. Die Winzer geben sich viel Mühe, dass die Weinstöcke richtig ausgerichtet sind und guten Boden haben, damit der Wein am Ende des Jahres auch die nötige Qualität aufweisen. Was für eine Arbeit und Mühe: die Wurzeln der z.T. sehr alten Weinstöcke werden von Wildkräutern freigehalten, die jungen Rebtriebe werden sorgfältig befestigt, alte Triebe geschnitten. Neue Triebe zum Teil aufgepfropft.
Es ist eine Welt für sich, die der Schöpfer-Gott – so wie im Evangelium beschrieben da gestaltet und hegt und pflegt. Man erkennt seine Liebe zum Weinberg, seine Hingabe an die Arbeit alles im rechten Lot zu halten. Dem Weinstock gilt seine besondere väterliche Zuwendung. Er ist der Stamm, der Urgrund, das Herz, das den Lebenssaft in die Reben leitet. Ohne diesen Saft würden die Rebzweige verdorren. Rebzweige, die sich vom Stamm lösen, werden welk. Sie sind vielleicht den Stürmen des Lebens nicht gewachsen, Hagel des Hasses, Regen der Reizüberflutung und Stürme der Verzweiflung über Gott und die Welt haben sie abknicken lassen. Sie verloren den Halt und die Bindung. Sie werden entfernt. Menschen, die Zugang zum Rebstock suchen werden neu aufgepfropft und erhalten die lebenspendende Kraft. In dieser Phase werden die Reben ausgedünnt, gereinigt sagt der Fachmann. In dieser harmonischen Bildwelt stören allerdings die abgeschnittenen Reben, die ausgerissen und verbrannt werden (Joh 15,2. 6). Gerade vor dem Hintergrund der eben aufgezeigten Paradiesmetaphorik ist dieses Ins- Feuer-geworfen-Werden keine angenehme Vorstellung. Der johanneischen Gemeinde ging es möglicherweise wirklich darum, sich von «unfruchtbaren» Mitgliedern zu trennen. Doch dürfen wir, die wir in einer anderen historischen Situation als Johannes leben, den Text nicht auch anders lesen? Wirft nicht die oben aufgezeigte biblische und dem Johannes zeitgenössische «Weinstock-Literatur» ein etwas milderndes Licht auch auf die abgeschnittenen Reben? Der Text bei Johannes steht ja nicht isoliert da und soll wohl auch nicht isoliert gelesen werden. Um jede Rebe kämpft der Winzer, so wie Jesus jedem verlorenen Schaf nachgegangen ist. Gott ist Hüter und liebender Vater, der sich immer wieder den Menaschen zuneigt.
Im Gleichnis Jesu wird deutlich: der Vater legt den Weinberg an, der Sohn ist der Stamm aus dem alles Gute zum Leben kommt und wir sind die Rebzweige, die Frucht tragen sollen. Und auf die Früchte kommt es an. Die Früchte, die Trauben, goldgelb oder blau leuchten sie im Herbst durch das Grün der Weinberge. Darauf hat der Winzer gewartet. Jetzt kommt der Lohn für seine Arbeit. Mit Oexle Messer und mit dem Geschmack des Mundes wird geprüft. Wird es ein Jahrhundertwein? Leider tragen manche Weine saure Trauben: Lieblosigkeit, Verblendung, Eifersucht, ständiges Klagen, Schimpfen und Ungeduld. Das ist nicht das was der gute Winzer sich wünscht:
Wie stellen wir uns die guten Früchte des Weinstocks vor: Edel, süß und saftig und vollmundig . Und das ist das was wir eigentlich vom Weinstock mitbekommen haben: Sanftmut, Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft, ein Herz und eine Seele, Demut und Treue. Betrachten Sie einmal das Bild auf ihren Gebets Zettel: Christus der Weinstock, die Menschen als Reben und die Früchte die daraus erwachsen: Es sind die Werke der Barmherzigkeit. Menschen, die sich hungernden Kindern zuwenden, ihnen Essen und Kleidung geben. Menschen, die traumatisierte und traurige Kinder trösten, durch Wort und Tat. Menschen, die sich um Kranke und Sterbende kümmern, ihnen Trost geben, sie begleiten und sie versorgen. Ärzte, Schwestern und Krankenpfleger und Seelsorger hier im Klinikum handeln aus der Christlichen Sorge für Menschen. Durstige bekommen Wasser- Wir müssen uns einsetzten, dass Menschen in Afrika und Asien nicht vom Wasser abgeschnitten werden. Halten wir die Augen und Ohren offen.
Gefangenen und Gestrauchelten mit Offenheit begegnen ist so ein Werk der Barmherzigkeit. Viele Christen setzten sich in diesen Jahren für Geflüchtete ein. Sie geben ihnen eine zeitweise Heimat in einem fremden kalten Land. Sie versuchen diese Menschen vor Eifersucht und Misstrauen zu schützen. Wir sollten diese Helferinnen und Helfer unterstützen.
Jesus fasst in seinem Gleichnis seine ganze Lehre zusammen. Eine Lehre die er gelebt hat, eine Vision, die er an uns in seinem Wort gerichtet hat. Gott der Vater ist der Urgrund und der Schöpfer, der Sohn ist die Quelle allen Lebens. Wir Menschen leben durch ihn und an unseren Früchten wird man uns Christen erkennen:
Liebe, Freundlichkeit, Zuwendung, Geduld, Sanftmut, Fröhlichkeit und Mut aufzustehen gegen jede Form von Hass, Gewalt und Ungerechtigkeit. Denn was wir dem Geringsten tun, das haben wir ihm getan.
Und für die Biertrinker unter uns: „Auch an uns ist Hopfen und Malz nicht verloren.“ Amen
Liebe Mitchristen hier in der Kapelle,
liebe Patientinnen und Patienten auf den Krankenzimmern.
Es war nur ein Zufall, dass ich als bekennender Pilstrinker das heutige Evangelium übernehmen musste. Wein, ich vertrage ihn nicht besonders gut. In der Familie damals war Wein nur bei besonderen Anlässe auf dem Tisch. - Vielleicht erinnern Sie sich an die damals gängigen Weinsorten: Weißwein: Liebfrauenmilch, Oppenheimer Krötenbrunnen und Kröver Nacktarsch. Wir Westfalen waren einfach keine großen Weintrinker. Heute ist das anders, Weißweine, Rotweine aus aller Welt füllen Meterlange Regale in den Abteilungen der Kaufhäuser und Weinhandlungen. Aber vielleicht ist es gut, wenn man an die Frage „Weinstock, Rebe und Frucht“ mal von außen herangeht. Und so möchte ich Sie zu meinen Gedanken einladen:
Wenn wir mit dem Auto im Süden unterwegs sind, da sehen wir schon von weitem die Weinberge. Gerade Linien ziehen sich über die Südhänge der Berge. Akkurat. Die Winzer geben sich viel Mühe, dass die Weinstöcke richtig ausgerichtet sind und guten Boden haben, damit der Wein am Ende des Jahres auch die nötige Qualität aufweisen. Was für eine Arbeit und Mühe: die Wurzeln der z.T. sehr alten Weinstöcke werden von Wildkräutern freigehalten, die jungen Rebtriebe werden sorgfältig befestigt, alte Triebe geschnitten. Neue Triebe zum Teil aufgepfropft.
Es ist eine Welt für sich, die der Schöpfer-Gott – so wie im Evangelium beschrieben da gestaltet und hegt und pflegt. Man erkennt seine Liebe zum Weinberg, seine Hingabe an die Arbeit alles im rechten Lot zu halten. Dem Weinstock gilt seine besondere väterliche Zuwendung. Er ist der Stamm, der Urgrund, das Herz, das den Lebenssaft in die Reben leitet. Ohne diesen Saft würden die Rebzweige verdorren. Rebzweige, die sich vom Stamm lösen, werden welk. Sie sind vielleicht den Stürmen des Lebens nicht gewachsen, Hagel des Hasses, Regen der Reizüberflutung und Stürme der Verzweiflung über Gott und die Welt haben sie abknicken lassen. Sie verloren den Halt und die Bindung. Sie werden entfernt. Menschen, die Zugang zum Rebstock suchen werden neu aufgepfropft und erhalten die lebenspendende Kraft. In dieser Phase werden die Reben ausgedünnt, gereinigt sagt der Fachmann. In dieser harmonischen Bildwelt stören allerdings die abgeschnittenen Reben, die ausgerissen und verbrannt werden (Joh 15,2. 6). Gerade vor dem Hintergrund der eben aufgezeigten Paradiesmetaphorik ist dieses Ins- Feuer-geworfen-Werden keine angenehme Vorstellung. Der johanneischen Gemeinde ging es möglicherweise wirklich darum, sich von «unfruchtbaren» Mitgliedern zu trennen. Doch dürfen wir, die wir in einer anderen historischen Situation als Johannes leben, den Text nicht auch anders lesen? Wirft nicht die oben aufgezeigte biblische und dem Johannes zeitgenössische «Weinstock-Literatur» ein etwas milderndes Licht auch auf die abgeschnittenen Reben? Der Text bei Johannes steht ja nicht isoliert da und soll wohl auch nicht isoliert gelesen werden. Um jede Rebe kämpft der Winzer, so wie Jesus jedem verlorenen Schaf nachgegangen ist. Gott ist Hüter und liebender Vater, der sich immer wieder den Menaschen zuneigt.
Im Gleichnis Jesu wird deutlich: der Vater legt den Weinberg an, der Sohn ist der Stamm aus dem alles Gute zum Leben kommt und wir sind die Rebzweige, die Frucht tragen sollen. Und auf die Früchte kommt es an. Die Früchte, die Trauben, goldgelb oder blau leuchten sie im Herbst durch das Grün der Weinberge. Darauf hat der Winzer gewartet. Jetzt kommt der Lohn für seine Arbeit. Mit Oexle Messer und mit dem Geschmack des Mundes wird geprüft. Wird es ein Jahrhundertwein? Leider tragen manche Weine saure Trauben: Lieblosigkeit, Verblendung, Eifersucht, ständiges Klagen, Schimpfen und Ungeduld. Das ist nicht das was der gute Winzer sich wünscht:
Wie stellen wir uns die guten Früchte des Weinstocks vor: Edel, süß und saftig und vollmundig . Und das ist das was wir eigentlich vom Weinstock mitbekommen haben: Sanftmut, Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft, ein Herz und eine Seele, Demut und Treue. Betrachten Sie einmal das Bild auf ihren Gebets Zettel: Christus der Weinstock, die Menschen als Reben und die Früchte die daraus erwachsen: Es sind die Werke der Barmherzigkeit. Menschen, die sich hungernden Kindern zuwenden, ihnen Essen und Kleidung geben. Menschen, die traumatisierte und traurige Kinder trösten, durch Wort und Tat. Menschen, die sich um Kranke und Sterbende kümmern, ihnen Trost geben, sie begleiten und sie versorgen. Ärzte, Schwestern und Krankenpfleger und Seelsorger hier im Klinikum handeln aus der Christlichen Sorge für Menschen. Durstige bekommen Wasser- Wir müssen uns einsetzten, dass Menschen in Afrika und Asien nicht vom Wasser abgeschnitten werden. Halten wir die Augen und Ohren offen.
Gefangenen und Gestrauchelten mit Offenheit begegnen ist so ein Werk der Barmherzigkeit. Viele Christen setzten sich in diesen Jahren für Geflüchtete ein. Sie geben ihnen eine zeitweise Heimat in einem fremden kalten Land. Sie versuchen diese Menschen vor Eifersucht und Misstrauen zu schützen. Wir sollten diese Helferinnen und Helfer unterstützen.
Jesus fasst in seinem Gleichnis seine ganze Lehre zusammen. Eine Lehre die er gelebt hat, eine Vision, die er an uns in seinem Wort gerichtet hat. Gott der Vater ist der Urgrund und der Schöpfer, der Sohn ist die Quelle allen Lebens. Wir Menschen leben durch ihn und an unseren Früchten wird man uns Christen erkennen:
Liebe, Freundlichkeit, Zuwendung, Geduld, Sanftmut, Fröhlichkeit und Mut aufzustehen gegen jede Form von Hass, Gewalt und Ungerechtigkeit. Denn was wir dem Geringsten tun, das haben wir ihm getan.
Und für die Biertrinker unter uns: „Auch an uns ist Hopfen und Malz nicht verloren.“ Amen




1. Advent Lesejahr B


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1-. Adventsonntag Lesejahr B   Predigt

Liebe Mitchristen hier in der Kapelle, liebe Patientinnen und Patienten

„Himmel und Erde werden vergehen“ . Das hört sich an wie Endzeitstimmung. Die Worte der geheimen Offenbarung fallen uns ein:  „Sterne stürzen herab. Das Ende naht. Das Gericht kommt. Seid wachsam.“ – Sagen Sie mal ehrlich: Macht Ihnen das nicht auch ein bisschen Angst.   In den 70iger Jahren war die Apokalypse durch einen Atomkrieg immer  gegenwärtig.  Und das macht Angst.  Ist das das Ende der Welt?  Der Untergang?

Das heutige Evangelium soll frohe Botschaft sein. Jesus und den Verfassern der Evangelien war klar, das „Reich Gottes ist nahe“. Sie erwarteten es noch zu ihren Lebzeiten.  Daher war „Wachsamkeit“ ein Gebot der Stunde.  Wachsam sein- immer und jeden Tag. Immer und jede Minute.  Sollte das in der Angst geschehen, dass der Herr sie schlafend- mit „Augen zu“  erwischte? -  Wann würde der Herr kommen – Ungewissheit.

Ich glaube der Ansatz im heutigen Text ist ein anderer. Wer will uns sagen:  Seid wachsam: achtet auf das was euch umgibt. Lebt mit offenen Augen. Schaut genau hin.  Wer wachsam ist, zündet, um zu sehen eine Kerze an,   ein  Licht; damit es ihm in der Dunkelheit leuchte. Ihn erleuchte.

Da ist eine junge Frau. 24 Jahre alt. Sie liegt in einem Hospital.  Die Sonne geht unter. Ihr Atem röchelt. Sie ist ausgezehrt. Hat gestern noch an Krankenbetten gestanden, nun hat sie eine Infektion, die tödlich sein wird  selbst auf das Krankenlager geworfen.  Sie denkt zurück n ihr Leben: Reich war sie geboren, Herzogin war sie geworden.  Das oberflächliche Leben am Hofe hatte  sie abgestoßen. Sie blickte tiefer. Ihr Mann hatte sie obwohl sie jung war immer an wichtigen  politischen Entscheidungen beteiligt. So hatte sie einen tiefen Einblick in das gesellschaftliche Leben gewonnen.

Sie sah zwischen dem glitzernden Reichtum, den schönen Kleidern, dem guten Essen auch  die Armut der Dörfler. Geschunden, ausgeblutet von Krankheiten befallen.   Ihnen  galt ihre Aufmerksamkeit, Die Frau  gab von ihrem Reichtum ab. Speiste die Menschen  vor dem Burgtor ging zu den Kranken in die Hütten - auch gegen den Widerstand des Adels, der ihr Steine in den Weg legte und sie verleumdete.   Aber es kam noch schlimmer, Ihr Mann strab auf dem Kreuzzug  und hinterließ eine Witwe mit ihren kleinen Kindern. Man vertrieb sie von der Burg, sie ging nach Marburg -  gründete ein Hospital mit den Geldern ihrer Abfindung. „Franziskus“- Hospital nannte sie es, denn das Leben des  Franziskus hatte sie auf ihrem Weg bestärkt. „ Nimm die Armen in deine Arme auf“.   Sie war wachsam,  öffnete die Augen und zündete ein Licht an, damit es allen leuchte. – Elisabeth, die mit dem Rosenwunder.   Kerze an

In ihrer Zeitepoche  lebte auch Franziskus.  Er war wild, jung, draufgängerisch und ein guter Saufkumpan, der nichts anbrennen ließ. Reich, ungeduldig und nach Abenteuer strebend.  Ein Mordskerl.  Und der  zieht in den Krieg—nach Perugia- wird verwundet- stirbt fast an seinen Verletzungen.   Und …

Wird plötzlich ein ganz anderer. Er sieht plötzlich. Hat die Augen auf, sieht  Aussätzige. Kniet bei ihnen nieder, wäscht die Wunden verbindet sie.  Baut eine Kirchenruine St. Damian wieder auf- weil Gott ihm diese Stelle gezeigt hat, wird arm, gibt seinem reichen Vater, der entsetzt ist  allen Reichtum zurück – bis auf das letzte Hemd - und bedeckt seine Blöße mit einem Bettlergewand. -  Er will den Menschen dienen, in Armut leben und er wird die Kirche seiner Zeit erneuern.   Er war wachsam – hatte ein Licht angezündet. Er sah, was andere nicht sahen, deren Augen geschlossen waren.  Kerze an

Und ein dritter junger Mann liest in der Bibel die Geschichte vom reichen Jüngling, da gehen ihm die Augen auf,  er erkennt was er zu tun hat. Mit seinem Geld wird er helfen. Er liebt die Menschen, wird ihr Bischof.  Die Menschen bemerken  diesen Wohltäter, der heimlich seine Hilfe  den Menschen  anbietet: den Mädchen, die in die Prostitution verkauft werden sollen, den Hungernden mit seinem Einsatz für Getreide,  den Verirrten, die sich aus der Gesellschaft entfernt haben und an ihrem Reichtum zugrunde  gehen.  Er macht es heimlich, wird aber schon zu Lebzeiten ein Heiliger.  Und so  heimlich wie er handelte- handeln auch wir (meistens für die Kinder) am 6. Dezember.  Kerze an

Zu ihren Lebzeiten haben diese drei ein  Licht angezündet. Sie waren Wachsam und mutig und gingen ihren Weg.  Sie folgten dem  was  Jesus und die Schrift ihnen vorgaben.

„Aber“ so werden wir sagen: „so bis zum Äußersten kann und will ich nicht gehen. Ich bin nicht so radikal wie Franziskus,  Elisabeth und Nikolaus. So bin ich nicht.   Ich glaube, das brauchen wir alle hier auch nicht zu sein. .  Als Beispiel möchte ich ihnen eine kleine Adventsgeschichte erzählen, die  Leo Tolstoi geschrieben hat.

Es war einmal ein armer Schuster, der hieß Martin und lebte in einem Keller. Durch das kleine Kellerfenster konnte er die Menschen sehen, die draußen auf der Straße vorübergingen. Zwar sah er nur ihre Füße, doch erkannte er jeden an seinen Schuhen. Fast alle diese Schuhe hatte er schon ein- oder zweimal in seinen Händen gehabt.

Schon seit vielen Jahren arbeitete Martin in dem Keller, der ihm zugleich Werkstatt und Wohnung war. Wenn der Advent kam und es draußen dunkel wurde, zündete Martin die Kerze an  und las in der Bibel die vielen Geschichten von Jesus. Den ganzen Tag freute er sich auf dieses Buch. Er konnte den Abend kaum erwarten.

Eines Tages hörte Martin, wie jemand seinen Namen rief. „Martin“, klang es plötzlich ganz leise an seinem Ohr. Er blickte sich um. Aber niemand war in seiner Werkstatt. Doch gleich darauf hörte er die Stimme wieder: „Martin! Schau morgen hinaus auf die Straße! Ich will zu dir kommen.“ Das war doch nicht Jesus, der mit ihm sprach?

Am nächsten Morgen sah Martin vor seinem Fenster ein Paar alte, geflickte Soldatenstiefel und erkannte den Mann, der sie anhatte. Es war der alte Stephan. Er schaufelte gerade den Schnee von der Straße. Die Arbeit strengte ihn sehr an. Er musste immer wieder stehen bleiben, um sich auszuruhen. Martin hatte Mitleid mit dem armen Mann und rief ihn zu sich herein. „Komm herein, Stephan! Wärme dich in meiner Stube!“ Und Martin redete ihm freundlich zu: „Setz dich zu mir an den Tisch, Stephan! Ich will dir ein Glas Tee einschenken.

Als Stephan gegangen war, schaute Martin bei der Arbeit wieder aus dem Fenster. Da sah er eine junge Mutter mit einem kleinen Kind auf den Armen. Die Frau fror in ihrem dünnen Kleid. Sie versuchte, ihr Kind vor dem kalten Wind zu schützen. „Komm herein, Frau!“ rief Martin ihr zu.

Martin nahm die Suppe vom Herd, die er für sich selber gekocht hatte, und gab sie der Frau. „Hier, iss etwas,“ sagte er, denn er sah der Frau an, dass sie Hunger hatte. Während die Mutter die Suppe aß, nahm Martin das Kind auf seinen Schoß und versuchte, es durch allerlei Späße zum Lachen zu bringen. Dann gab er es der Mutter zurück.

Kaum war die Mutter mit dem Kind gegangen, da hörte Martin ein Geschrei vor seinem Fenster. Eine Marktfrau schlug auf einen kleinen Jungen ein, der einen Apfel gestohlen hatte. „Warte nur, du Dieb! Ich bring dich zur Polizei“, schrie sie wütend[4] und zerrte[5] den Jungen an den Haaren. Sofort rannte Martin auf die Straße hinaus. „Lass ihn doch laufen“, sagte er zu der Frau. „Er wird es bestimmt nicht wieder tun. Den Apfel will ich dir bezahlen.“ Da beruhigte sich die Frau und der Junge musste sich bei ihr entschuldigen, weil er den Apfel gestohlen hatte.

Am Abend las Martin wieder in seinem Lieblingsbuch in der Bibel. Da hörte er die Stimme an seinem Ohr: „Martin, Ich bin bei dir gewesen. Hast du mich erkannt?“ Wann? Wo?“ fragte Martin erstaunt. Da sah Martin plötzlich den alten Stephan im Licht der Kerze stehen und daneben die junge Mutter mit ihrem Kind. Auch den Jungen mit dem Apfel sah er und die Marktfrau mit dem Korb am Arm. „Erkennst du mich jetzt?“ flüsterte die Stimme. Dann waren alle auf einmal verschwunden.

Seid wachsam, und tut  es dem Martin gleich,  denn der Herr kann zu jeder Zeit kommen  und lasst euch nicht erwischen mit „Augen zu“ und zündet Kerzen an, um Licht zu bringen in die Dunkelheit der Welt.

Amen





22. Sonntag  / "Matthäusevangelium "Weiche Satan..."



Predigt

Hallo Petrus, was ich schon immer fragen und sagen wollte:

Dein Gesicht zeigt die Fülle eines langen Lebens, da ist alles zu finden, Strenge und Milde, Klugheit, Erhabenheit, aber auch Trotz, Widerstand und Zorn viele. Was bist du für ein Mensch? Hat Leonardo Da Vinci dich auf seinem Bild richtig getroffen?
An zwei aufeinander folgenden Sonntagen wirst du in die Mitte des Evangeliums gestellt, einmal sicher auf der Höhe deines Lebens-„ Du bist der Fels“ hat Jesus zu dir gesagt. Und heute ein absoluter Tiefpunkt: „Weiche Satan“ . Aber alles der Reihe nach:
Wie war das als du am See Genezareth fischtest? Du warst nicht der kleinen Krauter, der sich mit Mühe und Not mit der Fischerei über Wasser hielt, sondern du warst reich, hattest eine gute und reiche Frau geheiratet und lebtest als Familienmensch. Die Schwiegermutter lebte auch bei euch. Eigentlich konntest du so glücklich sein? Oder?
Und dann kommt der Rabbi Jesus von Nazareth bei dir vorbei. Sicher hattest du schon vom ihm gehört, wenn er in eurer Synagoge sprach. Aber dass du ihm sofort folgtest als er dich aufforderte: „Komm mit, werde Menschenfischer“, ist bewundernswert. Ich weiß nicht ob ich oder wir alle hier in der Kapelle so hätten handeln können. Was treib dich dazu? Du verlässt Frau und Kinder, dein Heim und deine gesichertes Auskommen- und gehst mit ihm in eine ungewisse Zukunft. Das zeigt Mut und Vertrauen. Dieser Jesus muss auf dich eine ungeheure Ausstrahlung gehabt haben. Ein Mann wie du: knorrig und alt eingesessen und heimatverbunden. Er hatte dich gepackt, mit Haut und Haaren.
Du wurdest so etwas wie ein Ansprechpartner für ihn.
Du warst begeistert. Auf dem Berg Tabor gingen die Pferde mit dir durch, so schön und gewaltig war die Verklärung Jesu, dass du in diesem Zustand bleiben wolltest. Herr,“ lasst uns Hütten“ bauen. Gerne wärst du geblieben. Deine Wünsch wären schon hier erfüllt worden: Jesus der Große, der Mächtige, der Heilige und du, du der Fischer. Abgerückt von der Welt. Welch eine Vorstellung. Aber ich glaube auch uns geht es ein bisschen wie dir. Wie schön wäre es wenn wir in so einer verklärten Welt lebten:
Gott zum Anfassen nahe, nichts Trennendes mehr. Fühlbare Zuwendung Jesu in unserem Leben erfahren können. Manchmal fällt es uns schwer, uns in unserer Welt mit allem Leiden, Tod und Ungerechtigkeiten zurechtzufinden. Da werden wir schon kleinlaut. Zweifeln.
Aber auch du als Kenner Jesu, als Apostel und Zeitzeuge warst nicht von Zweifeln frei: Erst mutig, als du den Schritt aus dem Boot wagtest. So spontan wie du immer warst, hast du sicher kaum nachgedacht. Aber als es unter deinen Füßen brodelte, die Wellen dir um die Knöchel schwappten, der Untergrund unsicher wurde, da packten dich trotz allem Vertrauen, die Angst, der Zweifel-
„ Hilfe Herr ich ertrinke“ . Das war ein anderer Petrus. Wie hast du dich gefühlt? Diese Unsicherheit im Glauben?
War es so wie bei uns? Wenn wir festen Boden unter den Füßen haben, können wir mutig sein. So mutig dass wir den Glauben hochhalten. Aber wie ist es wenn es knirscht, der Boden wankt und nicht mehr stabil ist, unter uns wegbricht, unsre Schritte unsicher werden, wenn Angst und Zweifel der Ungerechtigkeit, der Krankheit, des Todes uns erfüllen? – War es auch bei dir so? Glaubtest du dein letztes Stündchen hätte geschlagen? Und dann hat Jesus dich aufgefangen, die unter die Arme gegriffen. Da war alles gut. Du warst in Sicherheit. Aus Ungläubigkeit wurde durch die Begegnung mit Jesus bei dir sicher eine noch tiefere Gläubigkeit. So kann man das wohl sehen- nicht wahr Petrus?
Und so schwankt dein Leben mit Jesus immer weiter in dieser Spannbreite. Du warst der erste der bezeugte, „du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes“. Das kam einfach aus dir heraus. Du warst ja nie ein großer Theologe. Diesen Rang haben dir später auch andere abgelaufen. Du warst ehr der Macher und Gefühlsmensch. Ein Mann, der seinen Händen und seinem großen Herzen vertraute. Dein Glaube und die Nähe Jesu machten dich stark. So einen Ausspruch zu tun: Wie schwer tun wir uns mit diesem Bekenntnis zu Jesus. Am Stammtisch, wenn gelästert wird, in der Öffentlichkeit die heute vielfach Gott und Jesus an die Seite drängen wollen, Macht, Geld und Wellness an diese Stelle setzen. Da müssten wir aufstehen, bekennen. – Gott ist der Vater. Gott hält uns in seiner Hand. Aber haben wir deinen Mut dazu?
Heute erleben wir dich als jemand, der das Negative nicht hören will, der die Augen und Ohren verschließt – „Das soll Gott verhüten“ - Du wollest den Status erhalten. Es war doch so schön, man wanderte durch das Land, die Menschen hörten die Botschaft und folgten ihm nach. Warum was ändern? Warum Tod? Und Auferstehung- diese Hoffnung hast du nicht gesehen, denn sie ist unbegreiflich gewesen für dich und auch für uns. Denn niemand war dort – und niemand ist von dort zurückgekommen – außer IHM. Dazu gehört ein großer Glaube und viel, viel Vertrauen.
Da bist du wieder richtig Mensch mit allem Zweifel und Nöten. Mit allem Vorbehalt und Unglauben. Da wirst du mir so richtig sympathisch. Da stehst du nicht mehr als Fels in der Brandung, sondern bist einer von uns. Aber einer, der die Nähe Jesu auch hier erlebt. Trotz der scharfen Worte „Weiche Satan“ die fallen. Aber Jesu macht dir und uns klar, wie wir uns verhalten können und weiter an seinem Leben teilzuhaben: Nehmt das Kreuz auf euch, folgt mir nach durch Dick und Dünn, durch Angst, Verzweiflung und Sorge. Durch Verfolgung, Krankheit und Tod. Dann bin ich bei euch.
Petrus, ich nehme an du hast diese Wort aufgenommen und verinnerlicht. Du fühltest dich gut, bis wirklich das eintrat, was Jesus verkündete: Aber im Garten von Gesehmane willst du nach einmal die Geschichte aufhalten und greifst zum Schwert. Du hättest Jesus mit deinem Leben verteidigt. Großartig.
Und Stunden später erliegst du wieder der Angst. –und verleugnest ihn. Verrat. Ich kann mir vorstellen, wie du dich gefühlt hast, als der Hahn krähte. Dreimal. Du warst erschüttert über deinen Verrat, der dir da bewusst wurde. Am liebsten wärst du weit weggelaufen, hättest dich verkrochen, denn der, der dir Vergebung geben konnte war nicht mehr da. Er starb weit weg von dir und deiner Angst. Ende-Aus- Amen. Vertane Jahre, Selbstzweifel? Wäre ich doch am See geblieben?
Tiefe Dunkelheit hat dich erfüllt.
Was hast du gedacht als Maria Magdalene dir sagte, „der Herr lebt“. Da bist du gerannt, so schnell dich deine Füße trugen, zum Grab…. Du suchtest Verzeihung. Und als er dann später vor dir stand, dich ansah, mit seinem verzeihenden liebvollen Blick und dir sagte: „Weide meine Schafe.“,. da wusstest du, er hat mir vergeben. Ich glaube, dass er auch uns vergeben wird, wenn wir straucheln und fallen unter der Last unseres Lebens. So wie bei dir es war.
Und nun trugst du die Verantwortung, dein Mut und dein Engagement führte dich nach Pfingsten in die Welt, du warst der, der Jesus noch gekannt hatte, du erzähltest von ihm und seiner Lehre, die lebtest sie mit deiner Frau, die dich begleitete und den neuen Freunden in den Ländern der Erde. Du hast großes geschaffen, aber dir war bewusst, dass nicht du im Mittelpunk t stehst sondern Jesus, der Messias. Du hast deine Macken erkannt. Du hast Verzeihung erfahren. In diesen Geist hast du die junge Kirche geprägt. Nicht so sehr mit theologischen Spitzfindigkeiten, sondern mit der Weitergabe der Liebe Jesu. Konsequent bis zum Tod am Kreuz. Und in Ehrfurcht vor dem Sohn Gottes - nicht so wie er, sondern mit dem Kopf nach unten, wie die Legende erzählt.

Ach weißt du, Petrus, du bist ein großer Heiliger, aber einer mit Ecken und Kanten, mit Höhen und Tiefen und das macht dich so menschlich.
Und damit ich es nicht vergesse: Wie du das mit dem Wetter machst, will ich gar nicht fragen.
Amen






13. Sonntag: Lesejahr A

Eines Tages kam Elischa durch das Dorf Schunem. Dort wohnte eine wohlhabende Frau, die ihn zum Essen einlud. Jedes Mal wenn er später dort vorbeikam, kehrte er bei ihr zum Essen ein.

9 Einmal sagte die Frau zu ihrem Mann: »Du erinnerst dich doch an den Gast, der immer bei uns einkehrt, wenn er vorbeikommt. Ich weiß, er ist ein heiliger Mann, der Gott dient und ihm ganz nahe steht.
10 Wir sollten auf dem flachen Dach ein kleines Zimmer für ihn bauen und es gut ausstatten, mit Bett und Tisch, Stuhl und Leuchter. Wenn er uns besucht, kann er sich dorthin zurückziehen.« So machten sie es.

11 Als Elischa wieder einmal nach Schunem kam, ging er in sein Zimmer hinauf, um sich auszuruhen.
12 Danach befahl er seinem Diener Gehasi, die Frau heraufzubitten. Sie kam und blieb draußen vor der Tür des Zimmers stehen.

13 Elischa ließ ihr durch seinen Diener sagen: »Du hast dir so viel Mühe um uns gemacht. Kann ich etwas für dich tun? Soll ich mich beim König oder bei seinem Heerführer für dich verwenden?«

Aber sie ließ ihm sagen: »Ich wohne doch hier mitten unter meiner Sippe; ich brauche keine Hilfe.«

14 Elischa fragte Gehasi: »Was könnten wir denn sonst für sie tun?«, und der antwortete: »Es gäbe schon etwas: Sie hat keinen Sohn und ihr Mann ist schon alt.«

15 »Ruf sie herein«, sagte Elischa. Sie kam und blieb in der Tür stehen
16 und Elischa sagte zu ihr: »Im nächsten Jahr um diese Zeit wirst du einen Sohn auf deinen Armen wiegen!« »Ach Herr, du Mann Gottes«, erwiderte sie, »mach mir doch keine falschen Hoffnungen!«

17 Die Frau wurde tatsächlich schwanger und ein Jahr später gebar sie einen Sohn, genau um die Zeit, die Elischa genannt hatte.


Predigt

Predigt
Liebe Mitchristen hier in der Kapelle.
Liebe Patientinnen und Patienten.

Der Schwiegervater meines Sohnes war in den letzten Wochen zu einer Hochzeit in Polen. Ein Mitarbeiter auf seinem Bauernhof hier in Deutschland heiratete dort in seinem kleinen Dorf. Eine große Hochzeit – über mehrere Tage, mit vielem guten Essen, viel Alkohol und netten Leuten. Was ihm auffiel war ein leerer Stuhl in der Ecke, nahe am Eingang. Auf seine Frage, was das bedeute, wurde ihm gesagt, dass ist für einen Gast, der überraschend kommen könnte. Also : Gastfreundschaft pur.
Diese Geschichte fiel mir ein, als ich die Lesung des heutigen Sonntags las. Eine Geschichte, die viel älter ist als das Evangelium.
Da geht eine Frau hin und bereitet einem Gast- dem Propheten Elischa- einen Raum zum Wohnen, obwohl der nur alle paar Wochen auf seiner Wanderung durch Israel bei ihr vorbeikommt. Aber für sie ist es wichtig, diesem „hl. Mann“ wie sie ihn nennt, eine optimale Unterkunft zu geben. Selbstlos, wie mir scheint. Als Elischa merkt, wie offen die Frau und ihr Haus ist, macht er ihr einen Prophezeiung: „In einem Jahr wirst du einen Sohn in deinen Armen halten“. – Die Frau aber ist älter, jenseits der Menopause, ihr sehnlicher Kinderwunsch wurde in langer Ehe nicht erfüllt. – Hoffnungslos.
Bei den Aussagen der Abteilung Sprüche Jesu im Matthäusevangelium aus der die Texte des heutigen Evangeliums stammen, könnte uns auf den ersten Blick angst und bange werden. Das ist im ersten Überblick nicht mehr von Güte und Liebe die Rede, sondern von „von würdig sein“- „und nicht würdig sein“. „ Wer Vater und Mutter, Sohn und Tochter mehr liebt als mich“ – „Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt“- „ist meiner nicht würdig“. - Harte Worte. Da sieht man sich schnell auf der falschen Seite. Kann das sein? - Hilfreich ist es hier zu wissen, dass das griechische Wort, das mit „würdig“ übersetzt wird, vom Ursprung her „gleichgewichtig, gleichwertig“ meint. Es soll also nicht ausgedrückt werden, dass der Betreffende (nach moralischen Wertmaßstäben) etwas „verdient“ bzw. „nicht verdient“, sondern, dass etwas einander „gleichwertig“ ist und deshalb „zueinander passt“. „Meiner nicht würdig – dass passt nicht zusammen:
Wenn alles Bestreben auf Familie gerichtet ist, wenn ich nur auf deren Wohlstand und Gutgehen hinarbeite, dann ist da etwas faul. Dann ist da kein Platz und kein Raum mehr: „Family first“ „Mein Leiden und mein Kreuz, meine Krankheit first“- dann kreist alles um mich und mein Wohlbefinden. Dann ist da kein Raum, kein Raum für Gott. Und wer dann meint, dass sei sein Leben, er habe es voll im Griff, ich mache für mich die besten „Deals“- dann ist das Egoismus und Eigennutz. Nicht mehr über den Tellerrand hinaussehen können und wollen. Und genau das meint Jesus mit seinen Worten. Alle Formen des Egoismus lassen keinen Raum mehr für etwas anderes, keinen Raum mehr für Gott und für Jesus.
Jesus, das ist nicht das liebliche Kind in der Krippe, sondern Jesus, das ist der gestandene Mann, Prediger und Revolutionär: Er stellt die Welt auf den Kopf. Und da muss Raum sein - wie in seinem Leben Raum war für alle Menschen, für die Armen und Geschundenen, die Kranken und Leidenden, die Sünder und die Rechtschaffenden, die Gefangenen und die Erlösten. Frauen und Kinder nahm er unter seinen Schutz. Er nahm sie in seine Barmherzigkeit und die Barmherzigkeit seines Vaters auf.
Für uns entscheidet sich „würdig sein“ und „unwürdig sein“ an seinem Beispiel. Lassen wir Raum in unserem Leben für andere Menschen? - Oder steht unser Leben an erster Stelle. „My life first“. – Dann ist unserer Leben verloren, denn wir können es nicht besitzen. Wir alle hier in der Kapelle geben Gott und den göttlichen Ideen Raum und Platz. Wir sind hier, hören auf sein Wort und beten und wir gehen eine innige Verbindung mit IHM ein in der Kommunion. Wir sind alle auf einem guten Weg.
Im weiteren Text des Evangeliums führt Jesus aus, wie wir IHM Raum geben: „Wer euch aufnimmt, nimmt mich auf“-„ wer mich aufnimmt, nimmt meinen Vater auf“- Und wer einen Propheten aufnimmt, wird den Lohn erhalten, wer einen Gerechten aufnimmt, wird seinen Lohn erhalten, Wer einem der Kleinen hier einen Becher Wasser gibt, wird nicht um seinen Lohn kommen“
Und wir kennen seinen anderen Satz: „Was ihr dem Geringsten tut, das habt ihr mir getan.“ –
Gott Raum geben in seinem Leben, ihn annehmen, beten und handeln sind die Wegweiser in unserem Leben. „Egoismus- Zäune“ oder „Raum für Barmherzigkeit“ das ist unsere Entscheidung. Dafür sollten wir uns einsetzen mit all unserer Kraft, die uns bleibt.
Und nun zu unserer Eingangsgeschichte, diesen Gedanken greift der russische Dichter Nikolai Lesskow auf und erzählt in einem seiner Werke eine Legende aus dem alten Russland mit dem Titel: „Ein Gast kommt“. Vielleicht kennen einige diese eindrucksvolle und vielsagende Geschichte:
Ein russischer Bauer ist nach einem tiefgreifendem inneren Erlebnis der festen Überzeugung, dass Christus eines Tages als Gast
zu ihm kommen werde. Täglich muss deshalb seine Frau ein Gedeck mehr auflegen und einen Platz am Tisch freihalten. Tag für Tag erwartet er so den Gast.
In der Weihnachtszeit lädt er alle armen und mittellosen Nachbarn zu sich ein. Seit Stunden sitzen die nun schon in der großen Stube und lassen es sich gut gehen. Aber der Bauer, sein Name ist Timophe, wartet noch auf „seinen Gast“. Er ist davon überzeugt, dass Christus an diesem Abend als Gast zu ihm kommen wird.
Da klopft es an der Tür. Herein tritt - nicht Christus -, sondern sein Oheim. Dieser Onkel war lange Zeit der Vormund des Bauern gewesen und zu seinem schlimmsten Feind geworden.
Nun steht er vor dem Bauern und bittet ihn um Verzeihung. Er berichtet, dass er sich im Schneesturm verirrt hätte. Da sei aber plötzlich jemand im Schneegestöber aufgetaucht, den er nicht kenne. Der habe ihn mit einer Laterne wieder auf den Weg geführt und ihm gesagt, er solle in dieses Bauernhaus gehen. Dort fände ein großes Weihnachtsessen statt und er solle an seiner Stelle zu diesem Bauern als Gast gehen. „Jetzt begreife ich“, so erzählt der Onkel zitternd, „warum ich so weit laufen musste: Um den zu finden, dem ich früher so großes Unrecht zugefügt habe.“
Der Bauer sieht seinen schlimmsten Feind an, dann, nach kurzem inneren Kampf, sagt er: „Du sollst bleiben!“ Zu allen Anwesenden sagt er: „Christus ist zu uns gekommen!“ – und es wurde ein wunderbares Weihnachtsfest, Streit und Egoismus hatten der Barmherzigkeit Raum gegeben.

Und zu der Frau aus Schunem, der Elischa einen Sohn verhieß? –
Ja auch sie bekam ihren Lohn, weil sie Raum gegeben hatte und sie gebar einen Sohn. Damit erfüllte sich ein großer Wunsch in ihren Leben. – Sie hatte durch ihr Handeln ihr Leben gewonnen.

Eine Hoffnung, die auch uns erfüllen sollte, das Leben zu gewinnen.

Amen




Erntedankfest 2016

Predigt / Ernte Dank 2016
(mit Ausschnitten aus dem Buch Genesis, von zwei Personen vorgetragen)

Wir hören die Lesung aus dem Buch Genesis:

1 Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.

2 Die Erde war noch leer und öde,
Dunkel bedeckte sie und wogendes Wasser,
und über den Fluten schwebte Gottes Geist.

3 Da sprach Gott: »Licht entstehe!«,
und das Licht strahlte auf.
4 Und Gott sah das Licht an: Es war gut.
Dann trennte Gott das Licht von der Dunkelheit
5 und nannte das Licht Tag,
die Dunkelheit Nacht.
Es wurde Abend und wieder Morgen:
der erste Tag.

Gut, dass wir die Erde haben, das Raumschiff Erde, das durch das All fliegt, durch den Kosmos. Millionen von Jahren hat es gedauert bis aus dem Chaos des Universums unser Planet entstand. Schicksal oder Planung oder ein beiläufiges Zusammentreffen von gewaltigen Kräften. Was stand am Anfang? Die Evolutionstheorie wurde verlacht, besonders von den Kirchen. Gehen Wissenschaft und Glaube zusammen? Ich glaube ja: Keiner weiß was am Anfang stand. Wir glauben es ist Gott: Schöpfer und Gestalter. Anfang und Ende. Unsere Geschichte „der sogenannte Schöpfungsbericht“ ist ein Lied, ein Hochgesang zur Ehre Gottes.
Licht und Dunkel, das ist die erste Schöpfung Gottes. Licht, damit wir leben können, denn im Dunkel kann nichts existieren. Wir brauchen das Licht, wie das tägliche Brot.
Licht und Dunkel damit entstand auch Freude und Leid, Licht und Dunkel, das heißt Leben und Tod, Licht und Dunkel das schließt Gut und Böse mit ein, Licht und Dunkel das sind die Gegensätze, die unser Leben beherrschen.

6 Dann sprach Gott:
»Im Wasser soll ein Gewölbe entstehen,
eine Scheidewand zwischen den Wassermassen!«
7 So geschah es: Gott machte ein Gewölbe
und trennte so das Wasser unter dem Gewölbe
von dem Wasser, das darüber war.
8 Und Gott nannte das Gewölbe Himmel.
Es wurde Abend und wieder Morgen:
der zweite Tag.

Himmel und Erde, wieder zwei Gegensätze. Die Erde auf der wir verwurzelt sind, Himmel, nach dem wir uns sehnen,
Erde, Himmel, die beschäftigen Wissenschaft und Forschung… Himmel, der Ort des Guten, das Ziel des Lebens. Himmel, das verbinden wir mit Gott, … Wir haben dafür nur ein Wort. Im Englischen unterscheiden wir
Heaven, Himmel als Wohnung Gottes und Sky, den Himmel, den wir wahrnehmen, wenn wir nach oben schauen.
Für viele Maler und Künstler war es eine Herausforderung, den Heaven zu malen, denken Sie nur an die wunderschönen Gemälde in den Wieskirche und anderen Barockkirchen im Süden. Sie versuchen uns eine Vorstellung zu geben von der Herrlichkeit hinter den Wolken

9 Dann sprach Gott:
»Das Wasser unter dem Himmelsgewölbe
soll sich alles an einer Stelle sammeln,
damit das Land hervortritt.«
So geschah es.
10 Und Gott nannte das Land Erde,
die Sammlung des Wassers nannte er Meer.
Und Gott sah das alles an: Es war gut.

Haben Sie schon einmal einen ruhigen Abend am Meer erlebt, man liegt in den Dünen und das Meer rauscht zu den Füßen. Wellen plätschern an den Strand. Sie schauen auf und erleben
Land und Meer, Begrenztheit und Weite. Die Weite und Unendlichkeit des Meeres lässt in uns Sehnsucht wach werden.
Das Meer: Quell des Lebens im Wasserkreislauf, Klares Wasser, Wasser für Tiere und Pflanzen, Lebensgrundlage. Aber Wasser ist knapp. Das was als Regen- und Süßwasser vom Himmel fällt ist nicht genug- weil wir zu viel Wasser brauchen.

Wasserknappheit, der Boden trocknet aus, bringt keine Frucht hervor, Menschen hungern. .
Wir verschmutzen die Meere mit Öl, Müll und Plastik. Keiner fühlt sich verantwortlich für die
Meeresverschmutzung. Der Lebensraum für Fische und Meerestiere wird zur Todesfalle.

Das Meer trägt Schiffe und Waren,
aber es bietet auch Erfrischung und Urlaub überall in der Welt.

Wasser unsere wichtigste Ressource
11 Dann sprach Gott:
»Die Erde lasse frisches Grün aufsprießen,
Pflanzen und Bäume von jeder Art,
die Samen und samenhaltige Früchte tragen!«
So geschah es:
12 Die Erde brachte frisches Grün hervor,
Pflanzen jeder Art mit ihren Samen
und alle Arten von Bäumen
mit samenhaltigen Früchten.
Und Gott sah das alles an: Es war gut.
13 Es wurde Abend und wieder Morgen:
der dritte Tag.

Vielfältig ist die Welt der Pflanzen, der Bäume und Sträucher und Blumen. Einen kleinen Ausschnitt sehen wir hier zum Ernte Dank. Äpfel, viele Apfelsorten gibt es, Getreide wächst bei uns und in den Anden, mit anderen Namen. Ein immer wiederkehrender Prozess, der Aussaat und des Wachsens, des Wachsens und Ernten. Vom Samen zum Baum….Wir genießen die Vielfalt des Gemüses, des Obstes. Wir haben alles zu jeder Zeit…. Andere bekommen nur eine Schale Reis, Gemüse ist selten und Fleisch und Fisch finden sich kaum auf den Tellern. Wir Menschen des Nordens verbrauchen dreimal so viel wie wir anbauen. Unsere Kühe grasen in den Ländern der 3. Welt. Welch eine Ungerechtigkeit.
Wir vernichten Millionen Tonnen von Gemüse und Obst, weil es nicht „schön „ist, nicht die Verbrauchernormen erfüllt.
Wir bauen industriell Mais an, für Wärme. Raps im Überfluss für Biodiesel, Ölsaaten als Viehfutter. Der Raum der Erde ist knapp- bei richtigem Anbau werden alle Menschen satt, dafür braucht es keinen Gen-Mais von Bayer und Mosanto. Brauchen wir Erdbeeren wirklich im Dezember?
Brauchen wir den Raubbau der grünen Lunge unserer Welt, den Regenwäldern?

14 Dann sprach Gott:
»Am Himmel sollen Lichter entstehen,
die Tag und Nacht voneinander scheiden,
leuchtende Zeichen,
um die Zeiten zu bestimmen:
Tage und Feste und Jahre.
15 Sie sollen am Himmelsgewölbe leuchten,
damit sie der Erde Licht geben.«
So geschah es:
16 Gott machte zwei große Lichter,
ein größeres, das den Tag beherrscht,
und ein kleineres für die Nacht,
dazu auch das ganze Heer der Sterne.
17 Gott setzte sie an das Himmelsgewölbe,
damit sie der Erde Licht geben,
18 den Tag und die Nacht regieren
und Licht und Dunkelheit voneinander scheiden.
Und Gott sah das alles an: Es war gut.
19 Es wurde Abend und wieder Morgen:
der vierte Tag.


Sonne, Mond und Sterne…
Träume der Menschheit.
Verliebte stehen unter dem Sternen Himmel und bewundern die Gestirne. Stellen Sie sich vor: Auf der Decke nachts in den Himmel schauen den Großen Wagen entdecken, Jupiter und Mars vielleicht eine Raumstation


Astronomen und Astronauten wollen
Weite des Alls erfassen. Die Entfernung zwischen den Milchstraßen und Sternen wird in Lichtjahren gemessen, Jahrmillionen sind sie entfernt, unvorstellbar die Größe, Ausdehnung und Weite. Die Größe des Alls lässt die Größe Gottes erahnen…
Sonne und Mond bestimmen die Zeit, die Feste und Jahreszeiten, den Wochentag, den Arbeitstag, den Sonntag, den Ruhetag, den Besinnungstag.


20 Dann sprach Gott:
»Das Wasser soll von Leben wimmeln,
und in der Luft sollen Vögel fliegen!«
Und Gott sah das alles an: Es war gut.
22 Und Gott segnete seine Geschöpfe
23 Es wurde Abend und wieder Morgen:
der fünfte Tag.

24 Dann sprach Gott:
»Die Erde soll Leben hervorbringen:
alle Arten von Vieh und wilden Tieren
und alles, was auf der Erde kriecht.«
So geschah es.
25 Gott machte die wilden Tiere und das Vieh
und alles, was auf dem Boden kriecht,
alle die verschiedenen Arten.
Und Gott sah das alles an: Es war gut.


Die Vielfalt der Tiere auf der Erde ist kaum zählbar. Jedes Jahr werden neue Arten entdeckt. Hunderte werden aber auch ausgerottet durch unsere Gier nach Reichtum und Konsum, Abholzung der Wälder, Raubbau der Bodenschätze
Wir bewundern Tiere im Zoo, in Filmen und Fernsehen, bewundern ihr Geschick, ihre Anlagen.
Wir jagen und zähmen Tiere, sie sind uns Nahrung, (nicht jeder muss Vegetarier sein.)
Gott hat sie uns zur Nahrung gegeben. Zur Nahrung- nicht zur Völlerei.

Pferde und Hunde und Katzen, Wellensittiche sind unser Haustiere und Freunde, oft der letzte Lebenspartner. Denken Sie an ihr Haustier, … ihre Erlebnisse und Erfahrungen, Sie mögen sie… sie wollen sie nicht vermissen

Die Produktionsmengen und die Schlachtmengen steigen, „gut und billig“ wird zur Maxime des Handels und der Verbraucher Massentierhaltung…Tierquälerei, Tötung von Küken sind die Folge, ebenso wie die Überfischung der Meere….
Ausrottung von Nashörnern und Elephanten wegen ihrer Stoßzähne und Hörner erschüttern uns.

26 Dann sprach Gott:
»Nun wollen wir Menschen machen,
ein Abbild von uns, das uns ähnlich ist!
Sie sollen Macht haben über die Fische im Meer,
über die Vögel in der Luft,
über das Vieh und alle Tiere auf der Erde
und über alles, was auf dem Boden kriecht.«
27 So schuf Gott die Menschen nach seinem Bild,
als Gottes Ebenbild schuf er sie
und schuf sie als Mann und als Frau.
28 Und Gott segnete die Menschen
und sagte zu ihnen:
»Seid fruchtbar und vermehrt euch!
Füllt die ganze Erde und nehmt sie in Besitz!
Ich setze euch über die Fische im Meer,
die Vögel in der Luft
und alle Tiere, die auf der Erde leben,
und vertraue sie eurer Fürsorge an.«

29 Weiter sagte Gott zu den Menschen:
»Als Nahrung gebe ich euch die Samen der Pflanzen
und die Früchte, die an den Bäumen wachsen,
überall auf der ganzen Erde.
31 Und Gott sah alles an, was er geschaffen hatte, und sah: Es war alles sehr gut.
Es wurde Abend und wieder Morgen:
der sechste Tag.

Und dann der Mensch:
Er erhält die Macht … durch seinen Geist und seine Fähigkeiten, Er entwickelt die Welt vom Feuermachen bis zum Computerspiel.
Er hegt und pflegt Tiere und Pflanzen Organisationen wie NABU, Greenpeace, Rettet den Regenwald haben diese Agenda auf ihre Fahnen geschrieben. Menschen guten Willens setzen sich ein für die Erhaltung der Schöpfung.

Wissenschaft und Forschung gehen zum Teil andere Wege: Genmanipulation. Große Konzerne wollen die Menge der Lebensmittel erhöhen. Der Landwirt wird eingeschränkt in seiner freien Entscheidung für Saatgut, das manipuliert auf den Markt kommt
Aus Macht und Fürsorge wird Ausbeutung des Bodens und der Früchte,

Menschen in Dürregebieten wird der Zugang zum Wasser erschwert, sie müssen für das Wasser an internationale Konzerne zahlen, die sich Wasserrechte von korrupten Regierungen gekauft haben. (water grabbing) .

Geld und Reichtum bestimmen leider in weiten Teilen unsere Welt:

Kampf um Seltene Erden,
Kohle und Öl,
Vermaisung der Äcker,
Krieg um Gebiete mit Vorkommen von Bodenschätzen bis hin zur
Abholzung des Regenwaldes, der grünen Lunge der Erde,

Macht und Ausbeutung macht selbst vor dem Menschen nicht halt…
Kriege, Flucht und Vertreibung.


2 1 So entstanden Himmel und Erde mit allem, was lebt.
2 Am siebten Tag hatte Gott sein Werk vollendet
und ruhte von aller seiner Arbeit aus.
3 Und Gott segnete den siebten Tag
und erklärte ihn zu einem heiligen Tag,
der ihm gehört,
denn an diesem Tag ruhte Gott,
nachdem er sein Schöpfungswerk vollbracht hatte.

Tag zum Innehalten, Besinnung, Lob Gottes, Familie, Mitmenschlichkeit soll den siebten Tag bestimmen: Gemeinsames Leben, Erholung vom Stress,
Und selbst den Ruhetag haben wir belastet mit Shoppen und Unterhaltung.


4a Dies ist die Geschichte der Entstehung von Himmel und Erde;
so hat Gott sie geschaffen.

Wir müssen zurück zu einem
ausgeglichenen Lebensstil. Jeder von uns. Machen wir unseren Einfluss geltend in Staat und Politik. In seiner Enzyklika „Laudato si“ nimmt Papst Franziskus den Gedanken über die Sorge für ein gemeinsames Haus auf. Erstmals richtet er sein Schreiben nicht nur an Bischöfe und alle Christen, sondern fordert die Welt Gemeinschaft auf, sich für eine gerechte Welt, eine Welt ohne Ausbeutung der Ressourcen einzusetzen. Und da wird er sehr konkret. Klimakonferenz unterstützen, Anfangen im eigenen Umfeld. Das Geht vom Fleischkonsum bis hin zum Stromsparen.
Konkret werden unsere Hilfswerke
Brot für die Welt, Misereor, Hilfe für Afrika, Asien und Lateinamerika: Menschen in Not eine Teilhabe am Leben zu ermöglichen, das ist ein Ziel, um der Flucht aus den armen Regionen der Welt zu stoppen. Wer möchte kann sich ein Exemplar von Laudato si mitnehmen. Es lohnt sich zu lesen.

Erntedank hat viele Facetten, Lob und Dank, Besinnung und Umkehr.
Im Anfang war das Wort …. Jetzt müssen wir Taten folgen lassen. Amen

 




10.Juli 2016  Der barmherzige Samariter



Gedanken zum Samariter  anhand des Bilödes von Horst Räcke aus dem Buch "Gehört und Gesehen"  Leipzig  1969

Predigttext :


Predigt Samariter
Liebe Kranke auf den Stationen, liebe Mitchristen hier in der Kapelle
Als ich entdeckte, welcher Text heute im Evangelium auf die Auslegung wartete, wurde mir doch etwas mulmig. Ein Evangelium, das tragend ist, ein Evangelium, das jeder fast auswendig kann, ein Evangelium, das vom Kindergarten an immer und immer wieder für die Barmherzigkeit herangezogen wird. Was soll man dazu noch sagen.
Ich bin begeisterter Besucher und Käufer auf Buchflohmärkten. Bei einem Markt entdeckte ich das Buch „Gehört und Gesehen“ von Horst Räcker, einem Maler und Illustrator Aus der damaligen DDR. !969 entstand auch das Bild, das Sie vor sich sehen. Ich möchte versuchen mich dem Evangelium und seiner Aussage über diesem Bild zu nähern.
Nehmen Sie sich einen Augenblick Zeit sich in das Bild hineinzuschauen.
Im Vordergrund das Bild eines gestandenen Mannes, nicht mehr ganz jung. Er nimmt fast ein Viertel der Fläche des Bildes ein. Er scheint wichtig und vertraut. Ein Pfarrertyp. Er schaut gerade aus, in die Ferne, aber er schaut mich und Sie, er schaut uns als Betrachter nicht an, er sieht über uns hinweg. Es beschäftigt ihn etwas. Er hat ein Ziel vor Augen, ein wichtiges Ziel. Er ist gradlinig, sein Leben scheint ausgerichtet zu sein. Ein Macher, ein Priester auf dem Weg zum Gottesdienst? Ein Banker auf der Jagd nach neuen Profiten? ein Immobilienmakler au dem Weg zu neuen Gewinnen? ein Politiker auf der Suche nach neuen Herausforderungen und Wählern? ein von sich überzeugter Self-made-man? Er ist ein Macher. Er weiß, was er will: sein Lächeln ist hintergründig, es ist kein offenes Lächeln. In seinen Händen fast zärtlich hält er eine Schriftstück, eine Schriftrolle, , die Thora? das Gesetz das festgeschrieben, in Stein gemeißelt bis auf das letzte Jota erfüllt werden muss? Verträge und Absprachen die BEDINGUNGSLOS UND ALTERNATIVLOS eingehalten werden müssen – ohne Wenn und Aber?
Neben ihm der Marschierer. Jung, dynamisch mit ausholenden Schritten geht er seinen Weg. Die Haltung gerade, die Brust herausgestreckt. Seine Augen beobachten der Älteren aus den Augenwinkeln, was wird der tun, sagen. Dynamisch aber abhängig. Auch er trägt unter seinen Armen eine Schriftrolle. Ein Levit, der vom Priester abhängig ist, ein leitender Angestellter, der in der Hierarchie emporkommen will, ein junger aufstrebender Handelsmann. Den BlicK richten beide nach vorne zu ihrem Ziel, Ihrer Verheißung. Den Tempel Gottes in Jerusalem. Den Tempel der Macht, den Tempel der Gier, den Tempel des Geldes, den Tempel hehrer Gefühle? Sie tun Gutes, geben den Menschen eine Art von Vertrauen. Sie sind gut, wenn es für sie gut ist. Sie kennen nur den direkten Weg zu ihrem Tempel, schauen nicht rechts und nicht links.
Die Straße, die sie gehen ist keine Prachtstraße wie die KÖ oder wie der Broadway. Keine Traumstraße wie die Route 66. Es ist dunkel, eine Schlucht mit einem schmalen Weg in den Felsen gehauen, rechts hohe Felsen, links ein Abgrund. Diese Straße ist gefährlich, bedrohlich. Viel kann auf dem Weg passieren. Man muss schon vorsichtig sein. Nur schnell weg.
Aber eigentlich müssten die Beiden über ihn gestolpert sein, müssen über ihn einen Schritt hinweg gemacht haben. Denn auf ihrem Weg liegt einer, quer über dem Weg, eine Stolperfalle. Lang ausgestreckt, die Arme weit geöffnet, Die Hände nach oben gekehrt, nackt und bloß, ein Bild des Grauens. Seine Beine hängen über dem Abgrund. Ausgeraubt, geplündert und halb totgeschlagen.
Sie hätten ihn sehen müssen, den Geschundenen. Hätten ihm helfen können- Taten es aber nicht. Ist er wichtig. Ist er profitabel, ist er katholisch, ist er Jude, hat ER Geld; besitzt er Macht ----
Nein – er liegt da nur Hilflos und verlassen. Er ist unter die Räuber gefallen, man hat ihn beraubt, seine Ehre und Würde genommen
er ist Hartz 4 Empfänger, der sein Leben fristet und sich nichts leisten kann, der gerne mal ins Kino ginge.
Er ist obdachlos, ein Haus wurde im Zuge der Euro-Krise verkauft
Er ist auf der Flucht über das Mittelmeer
Er saß im Gefängnis, jetzt wird er ausgegrenzt
Sie ist ausgebeutet in einer Textilfabrik in Bangladesch
Er ist abgeschoben in ein Altersheim, weil keiner ihn mehr will,
Sie ist geschlagen worden von Ihrem Mann
Sie erwartete ein uneheliches Kind
Er ist krank, liegt im Klinikum wartet auf Besuch, Hinwendung und ein gutes Wort. Aber die Zimmertür öffnet sich nicht für einen Besucher
Sie alle sind verachtet von der Gesellschaft, geschlagen vom Leben und halb tot.

Ganz oben rechts, schwer zu erkennen ist es etwas heller. Die Sonne scheint wohl durch eine Lücke:
Da kommt eine kleine Gestalt, weit weg, unwichtig… Sie haben sie wahrscheinlich noch gar nicht bemerkt, man muss schon ganz genau hinsehen: sie wird begleitet von einem Esel. Schauen Sie die langen Ohren. Auch er geht die Straße entlang. Noch ist er weit entfernt. Aber auch er folgt der Straße dem Weg durch Geröll und Felsen.
Hoffnung für den Geschlagenen? Man kann ihn nicht erkennen, den Mann, die Frau, die da kommt. Was ist es für einer? Ein Helfer, ein Kümmerer. Oder ist es wieder einer, der einer der wichtig ist?
Wird er helfen, sich niederbeugen, den Armen versorgen? Ist er Christ?
Ist er barmherzig? Ist er ICH ist er DU?
Sind WIR die barmherzigen Samariter? Jesus würde das Bild umdrehen. Der Mann mit dem Esel müsste die vordere Hälfte des Bildes einnehmen, er und der Geschlagene. Die anderen treten in den Hintergrund, werden an den Rand verbannt. Ihre Wichtigkeit ist eine Luftnummer ohne Herz und Gefühl.
Jesus spricht in der Geschichte mit den Wichtigen, den Bedeutenden, den Pharisäern, die ihn auf die Probe stellen wollen, wie so oft. Er macht ihnen deutlich, was Leben ist Und sie müssen erkennen: Das ist mein Nächster
Und für uns gilt auch heute noch der Satz:
Geh hin und tut des Gleichen, was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan

Amen


6. März 2016  4. Fastensonntag

Evangelium vom Barmherzigen Vater



Das ist eine Geschichte mitten aus dem Leben- Der Stoff aus dem auch große Kinofilme entstehen. Geschichten, die an Herz gehen und anrühren. Eine Geschichte, die zweitausend Jahre alt ist, ein Gleichnis, eine Parabel. Die Geschichte ist uns allen so bekannt, so vertraut, dass wir sie hören, aber nicht mehr anhören, ihr lauschen, sie hinterfragen. Für einen Prediger eine schwere Geschichte, denn fast alles ist gesagt.
Viele hier in der Kapelle sind Eltern, Väter und Mütter. Wir sind alle Kinder, die Väter und Mütter haben.
Überlegen Sie mal, wie oft es in ihrer Lebensgeschichte Verwerfungen gegeben hat: Streit über die angestaubten Vorstellungen der Eltern. Krach mit den heranwachsenden Kindern: „So lange du deine Füße unter meinen Tisch stellst“- „ Er oder sie hat das Tischtuch zerschnitten“ ja bis hin „Ich haben keinen Sohn/ keine Tochter mehr“. Brüder und Schwestern, Verwandte und Bekannte schlagen sich auf jeweils eine Seite und heizen die Gemüter an. Vertrauen ist zerstört, Schuldgefühle lassen die Beteiligten oft nicht schlafen. Genau das geschieht alles in den Gleichnissen vom: 1. Barmherzigen Vater 2. Vom verlorenen Sohn 3.Vom neidischen Bruder.
Ein kurzer Blick auf diesen Vater:
Obwohl ihm sein Sohn sehr weh tut, - man verlangt nicht das Erbe vor dem Tod des Vaters, - das war in Israel als wenn man ihm den Tod wünschte- gibt er ihm sein Erbe. Einfach so. Und das konnte schon eine Familie an den Rand der Existenz führen. Der Sohn verschwindet von der Bildfläche mit all seiner Habe, all seinem Erbe und bleibt verschwunden---
Bis eines Tages ein abgerissener, ausgelaugter Armer (dem es an allen fehlt) auftaucht. Ohne Geld, ein Habenichts, ein Erfolgloser ein Looser. Der Vater nimmt ihn in seine Arme – alles scheint vergessen, man feiert ein Fest „Was mein ist, ist auch dein“ und setzt ihn wieder als Erben ein.
Ein Blick auf den Sohn:
Er fühlt sich mutig, geht seinen Weg. Etwas selbstherrlich, selbstgerecht. Er will es allen zeigen, neue Wege gehen, neue Welten erobern. Ein Glückssucher. Aber er scheitert. Auf der ganzen Linie, auch durch seine eigene Schuld. „Mein Vater wird mir einen Job geben“- er sieht seine Schuld, seinen falschen Weg ein. Er gibt sich in die Hände seines Schuldigerns. Er kann es selbst nicht verstehen, wie er von seinem Vater aufgenommen wird.
Ein Blick auf den zweiten Sohn
Ehrbar, bodenständig, fleißig, gehorsam. Er geht dem Vater zur Hand, mehrt das Vermögen, ist wenig von sich selbst überzeugt. Und er reagiert normal - wie wir auch: Der da hat alles Geld durchgebracht, alles verspielt, verloren. Und du gibst ihm alles. „Ich habe nicht mal ein Fest mit meinen Freunden gefeiert, all die Jahre nicht“
Das alles erinnert wirklich an Filmstoffe aus der Bergwelt, Ludwig Ganghofer und andere Autoren. „Das Erbe von Björndal“, der Klosterjäger“ oder „Schweigen im Walde“ sind die Filmtitel, die mir einfallen Aber im Film zahlt meistens einer drauf. Es ist hat so wie im Leben.
Aber die Geschichte ist nicht von Ludwig Ganghofer sondern eine Jesusgeschichte. Sie will uns menschliches und göttliches Verhalten erklären.
In diesem Jahr feiern wir das Jahr der Barmherzigkeit. Papst Franziskus hat es ausgerufen, mal wieder gegen alle Regeln, der Zeitraum ist deutlich verkürzt. Aber Franziskus glaubt wohl das es notwendig ist, sich der Barmherzigkeit zu öffnen. In Rom und an vielen anderen Orten in der Welt werden Tore geöffnet, die beim Durchgang „Sündenfreiheit“ gewähren. Eine Gnade. Sie kann nicht eingefordert werden. Sie ist da.
Die Gnade Gottes, das Verzeihen Gottes, denn sein Name ist Barmherzigkeit: Wie der Vater im Gleichnis wird er alles wegwischen, was falsch ist, was uns quer runtergeht, was uns gegen den Strich geht. Er will uns öffnen, öffnen wie eine Tür, ein Tor. Wenn ich da durch gehe und mich ganz öffne und Gott suche, dann erlange ich Vergebung und Verzeihung. Das ist nicht so wie „neu gewaschen mit Perwoll. Dahinter steckt mehr:
Ich habe mir mal einige der Tore zum Gnadenjahr angeschaut:
In Münster am Dom wird man vor und in der Pforte ganz klein, denn sie ist massig, hoch, aus festem Holz gebaut. So klein möchte ich mich nicht machen.
In Kevelar ist die Pforte anders gestaltet. Sie ist klein, aber auf dem Torbogen sind die sieben Werke der Barmherzigkeit in Signaturen dargestellt. Auch die Hl. Pforte in Rom enthält einige Bilder zur Barmherzigkeit: Hier zur Erinnerung due Werke der Barmherzigkeit
Hungrigen zu essen geben, Obdachlose aufnehmen, Nackte bekleiden, Kranke und Gefangene besuchen, Tote begraben, Almosen geben. Ferner die sieben Werke der geistlichen Barmherzigkeit: Unwissende lehren, Zweifelnde beraten, Trauernde trösten, Sünder zurecht weisen, Beleidigen gern verzeihen, Lästige geduldig ertragen, für die Lebenden und Verstorbenen beten.
Barmherzigkeit empfangen und Barmherzigkeit geben, das ist für mich die Schlussfolgerung aus dem Evangelium und aus dem Jahr der Barmherzigkeit. Wir rutschen durch alle Rollen unserer Geschichte: Wir sind der Vater der Barmherzigkeit gibt, wir sind aber auch der Sohn, der die Barmherzigkeit erfährt. Und wir sind auch diejenigen, die wie der 2. Sohn noch Schritte braucht, um barmherzig zu werden.
Wer möchte sollt durch die Tore gehen, in dem Bewusstsein, dass er sich Gott ganz öffnen kann, mit allen Schwächen und Unzulänglichkeiten. Er kann sich sicher sein, dass Gott ihn stützt, ihm Schuld vergibt. Aber die Öffnung für Gott hat auch die Veränderung des eigenen Ichs, der eigenen Sichtweise auf die Menschen zur Folge.
Das Emblem zum Jahr der Barmherzigkeit zeigt Jesus, den Hirten, den guten Hirten, der das Schaf, hier den verlorenen Sohn liebevoll auf seiner Schulter trägt. Ein Bild der Güte und Nähe. Aber wenn Sie genau hinschauen, so haben beide Figuren ein gemeinsames Auge. Das Auge der Barmherzigkeit mit dem Jesus auf die Menschen schaut und das Auge des verlorenen Sohnes, der somit auch durch die Augen Jesu schaut. Sehen, wo wir gebraucht werden. Jesus gibt uns Hinweise und Anhaltspunkte:
Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.-
Barmherzigkeit ist keine Einbahnstraße. Sie ist ein Schnellweg mit vielen Spuren. Geben und Nehmen. Sehen und Handeln im Sinne der Werke der Barmherzigkeit.
Wie einfach das ist, Menschen die Würde zu geben und zu erhalten zeigt eine kleine Geschichte von Papst Franziskus, damals noch Pfarrer in Argentinien: Er erzählt: "Als ich Rektor am Collegio Massimo dei Gesuiti und Pfarrer in Argentinien war, kam eine Mutter mit kleinen Kindern zu mir, die von ihrem Mann verlassen worden war. Sie hatte keine feste Arbeit, sondern fand nur hin und wieder einen Job für ein paar Monate im Jahr. Wenn sie keine Arbeit fand, ging sie auf die Straße um sich zu prostituieren, um ihren Kindern etwas zu essen geben zu können. Sie war eine demütige Frau, ging regelmäßig in die Kirche.... Man rief mich, und ich habe sie empfangen. Sie war gekommen, um mir zu danken. Ich glaubte, es gehe ihr um das Lebensmittelpaket, das wir ihr über die Caritas hatten zukommen lassen. 'Haben Sie es bekommen?', fragte ich sie. Und sie: 'Ja, ja, ich danke Ihnen auch dafür, aber vor allem wollte ich mich bedanken, weil sie nie aufgehört haben, mich respektvoll 'Signora' zu nennen."



4.Adventssonntag 2015  Lesejahr

Maria besucht Elisabeth



Liebe Mitchristen hier in der Kapelle, liebe Patientinnen und Patienten


Das ist eine Frauenangelegenheit, als die beiden sich treffen. Frauen unter sich. So in der Art eines Vorbereitungskurses auf die Geburt. Zwei werdende Mütter treffen sich. Sie haben viel auszutauschen. Die Männer sind in der Phase außen vor, kalt gestellt, ruhig gestellt. Das Männliche hat hier keinen Platz und keinen Raum. Josef – der Mann Marias setzt sich noch intensiv mit der Erscheinung in einem Traum auseinander, soll er Maria verstoßen oder nicht? Soll er alles glauben und Maria zu sich nehmen? Zacharias ist ruhig gestellt. Eine Stimmbandlähmung, auch durch einen Engel. Er wollte nicht glauben, was der Engel ihm verkündete. Er bleibt stumm bis zur Namengebung von Johannes.

Zwei Frauen, zwei Schwangerschaften. Zwei ungewöhnliche Frauen, zwei ungewöhnliche Schwangerschaften. Elisabeth wird erst im hohen Alter schwanger, plötzlich und unerwartet. Ihre Hoffnung einmal „ guter Hoffnung“ zu werden hatte sie lange begraben. Die natürliche Uhr hatte aufgehört zu ticken. Sie hatte Spott und Hohn der Nachbarinnen zu ertragen- so sind Frauen manchmal. Aber sie wusste ihr Sohn würde etwas Besonderes sein.

Und Maria, schwanger durch den Geist Gottes, eine junge Frau, ohne Lebenserfahrung. Sie hatte es für unmöglich gehalten, schwanger zu werden? – Aber bei Gott ist nichts unmöglich musste sie erfahren. Sie steht im Kreuzfeuer der Kritik der Leute, so jung, ohne Ehe; schwanger? – so sind die Menschen eben.

Maria hat einen langen Weg hinter sich, 3 Monate IST SIE SCHWANGER; DA GEHT’S ES NOCH: Kaum ist etwas zusehen, wenn der Weg auch beschwerlich war. Elisabeth erwartete sie in ihrem Hause. Sechs Monate dauert ihre Schwangerschaft nun schon.

Und dann das Unbegreifliche. Alas sie voreinander stehen, „hüpft Johannes im Bauch seiner Mutter“-Schwangere würden sagen, er hat „kräftig geboxt“- Da ist eine Reaktion. Und Elisabet fasst zusammen:

»Gesegnet bist du von Gott, auserwählt unter allen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes!

43 Wie komme ich zu der Ehre, dass die Mutter meines Herrn mich besucht?

44 Ja, das bist du; denn in dem Augenblick, als dein Gruß an mein Ohr drang, machte das Kind einen Freudensprung in meinem Leib.“

Die Ältere hat etwas erkannt. „Die Mutter meines Herrn besucht mich“- „Du-Maria- bist auserwählt“ und „gesegnet ist der, den du in dir trägst“. Ungewöhnliche Frauengespräche. Diese beiden Frauen dringen tief in die Geheimnisse Gottes ein, sie sind ein Teil davon, die „TRAGENDEN TEILE“, Die „AUSTRAGENDEN TEILE“ im Heilsgeschehen Gottes mit den Menschen. Da setzt sich schwungvoll etwas in Bewegung und beschleunigt, das ist eine Explosion der Gefühle.

Betrachten sie einmal das Bild von Schwester Eleonore LLana aus Brasilien:

Maria und Elisabeth, die ältere und die jüngere in einem engen Dialog, eng stehen sie beisammen, ihre Hände deuten auf den Bauch der anderen, Maria fasst Elisabeth an der Schulter. Und über den Bäuchen ein helles weißes Licht. Ein Lichtpunkt, der sich ausweitet, das weiße helle Licht, in dem alle Spektralfarben enthalten sind, die bunte Vielfalt der Farben weitet sich aus, erfasst in gelb-orange kreisförmig die Gewänder der Frauen und mündet in zwei Wege, die in die Ferne führen, zwei Wege, zwei Frauen, zwei Kinder. Die Frauen bilden ein Kreis, Schutzkreis um die ungeborenen, und der Kreis setzt sich fort in den beiden Bäumen, die gerade ausschlagen, frisches Grün treiben, ein Grün der Hoffnung, Grün aus einen verdorrten Stamm: Wurzel Jesse die Verheißung aus dem Alten Testament bei Jesaja.

Und der Kreis erfasst die Welt, formt die Welt die Ausstrahlung der beiden Embryonen verändert die Welt, das Grün der Felder ist durchzogen vom Gelb des Lichtes.

Eine weitreichende Explosion irgendwo in Jerusalem, irgendwann vor 2000 Jahren ALS ZWEI Frauen sich trafen, als zwei Frauen sich zum Geburtsvorbereitungskurs trafen, um Geschichten aus zu tauschen, über ihre Zukunft zu reden, über ihre Kinder über Johannes, den später geköpften und über Jesus den später gehängten.

Und über die Wege die sie gehen werden. Wege, die in die Zukunft führen. Maria und Elisabeth müssen ihnen folgen. Es sind getrennte Wege. Aber sie werden wieder zusammenführen, später, am Jordan.

Die Zukunft ist für sie „Gott sei Dank“ nicht sichtbar, liegt hinter den Hügeln. Welche Mutter könnte die vorbestimmten Geschehnisse ertragen. Und das ist gut so.

Aber für Maria ist klar, dieser Gott, hat sie mit Freude erfüllt und diese Freude ist in ihr und so beginnt sie „ Ihr Lied“ – Ihr „Magnificat“ zu singen: denn die Zeit eilt, die Zeit ist reif:

Mein Herz preist den Herrn,

47 alles in mir jubelt vor Freude

über Gott, meinen Retter!

48 Ich bin nur seine geringste Dienerin,

und doch hat er sich mir zugewandt.

Gott ist mein Retter und Retter der Welt,

über alle Generationen hinweg,

Gott ist heilig und mächtig.

Diese junge Frau, erkennt in ihrem Zustand, in ihrem Glauben in der Zusage Gottes das Heil der Menschheit. Im Gruß der Cousine Elisabeth wird ihr das revolutionäre Gottes deutlich. War es für viele Juden klar, dass der Messias als Herrscher kommen würde, in Macht und Herrlichkeit, so hat Maria eine andere Eingebung. Statt männliche Macht, weibliche Güte

Und fegt die Stolzen weg samt ihren Plänen.

52 Jetzt stürzt er die Mächtigen vom Thron

und richtet die Unterdrückten auf.

53 Den Hungernden gibt er reichlich zu essen

und schickt die Reichen mit leeren Händen fort.

54 Er hat an seinen Diener Israel gedacht

und sich über sein Volk erbarmt.

Gott stellt die Welt auf den Kopf,

Armut wird nicht mehr sein,

Knechtschaft wird verschwinden.

Der Welt wird HEIL. Die Welt wird HEIL

Pfarrer Klemens Niermann hatte das „Magnificat…“ in großen Buchstaben an die Außentür der Kapelle zum Garten geschrieben. Anfangs nur zur Adventszeit, an den Adventstüren. Aber dann ließ er den Text über das Jahr dort stehen. Einen Text der Mut macht, der Freude schenken kann in ausweglosen Situationen, denn das Ergebnis ist immer… Gott verändert die Welt, er lässt sie „ Kopf stehen“, er formt sie, er rettet sie, die Welt, die Menschen, jeden Einzelnen. Ein Leitwort; das Pfarrer Niermann sein Leben lang begleitete.

So ist es häufig das Mütterliche, das Caritative das verändert: Als die Flüchtlinge zu Tausenden an den Grenzen in Gefahr geraten, sagte Angela : „Wir schaffen das“, Eva hilft beim Besuchsdienst im Krankenhaus, Wolfgang liest Altenheim die Zeitung vor, Elisabeth kümmert sich um Flüchtlinge in der Nachbarschaft, Maria hilft in der Suppenküche, Rainer füllt Asylantrage aus, Ina setzt sich für Greenpeace ein und kettet sich an Tore, Peter ist ehrenamtlicher Fußballtrainer für die 6 Jährigen, Manfred betreut Sterbende, Michaela macht Kranken Mut. Otto ist Kommunionhelfer…

Und Maria und Elisabeth setzten den Anfang der Entwicklung: „Siehe ich bin eine Magd des Herrn, mir geschehe nach seinem Wort“- „ Und das Kind hüpfte vor Freude in meinem Schoß“




21. Juni 2015

"Sturm auf dem Meer"



Lesung

Lesungstext

Hören wir den Bericht eines Flüchtlings, der über das Mittelmeer seine Heimat Syrien verlies:

Hasan Yousef Wahid, ein syrischer Arzt kurdischer Herkunft, und seine Frau Manal  Hashash hatten vier Töchter: Randa, 10, Sherihan 8, Nurhan, 6 und Kristina, 2 Jahre alt.  Das Ehepaar überlebte den Schiffbruch, doch ihre Töchter wurden nicht gefunden.

Der/Die Lektor/in trägt die Lesung vom Ambo aus vor. Die Gemeinde sitzt.

 

Hasan Wahid schildert Amnesty International,

wie er den Schiffbruch erlebte: „Der Kapitän

schaltete die Motoren aus, und die hohen Wellen ließen das Boot in alle Richtungen

schaukeln. Wir blieben so, bis das Boot kenterte und uns alle mit sich riss. Kurz vor dem

Kentern sahen wir einen Hubschrauber über

uns fliegen. Eine Stunde später trafen die

italienische und die maltesische Küstenwache ein.

Ich weiß nicht, wie ich es nach dem Kentern des Schiffes an die Wasseroberfläche geschafft  habe. Dann sah ich, dass es uns weit weg vom Schiff verschlagen hatte und die Wellen uns noch weiter wegtrieben. Es dauerte zwei Stunden, bis man mich aus dem Wasser holte. Die Küstenwache hat zuerst die Kinder gerettet.

Ich wurde schließlich nach Sonnenuntergang von den maltesischen Kräften gerettet. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich keine Ahnung, ob man meine Frau und die Kinder gerettet hatte. Ein Mann, der neben mir auf dem maltesischen

Boot saß – und den ich aus dem Lager in Libyen kannte, wo wir eine Woche vor der Überfahrt verbracht hatten –, erzählte mir, dass er eine meiner Töchter in einem der Boote der Seenotrettung gesehen habe. Sie ist acht und hat keine Schneidezähne und eine dunklere Haut als die anderen. Der Mann sagte, er habe sie erkannt. Ich fragte: ‚Meinen Sie Sherihan?‘ Und er sagte: ‚Ja, genau die, die habe ich auf einem der Boote gesehen. Ich habe ihr gesagt, sie solle sich keine Sorgen machen und ihr Vater würde gleich kommen‘. Er versuchte, sie zu beruhigen, obwohl er sichimmer noch im Wasser und sie sich auf einem Boot befand. Jemand anderes auf dem gleichen Rettungsschiff erzählte mir, sie hätten meine Frau lebend gesehen und dass sie gerettet worden

sei. Ich fragte, ob eine meiner Töchter bei ihr gewesen sei, aber sie verneinte


Predigt:


Liebe Michristen hier in der Kapelle, liebe Patientinnen und Patienten auf den Stationen

Als ich vor einigen Jahren auf dem See Genezareth diese Geschichte auf einem Boot vorlesen durfte, konnten wir uns nicht vorstellen, dass ein Sturm und schwere See unser Boot zum Kentern bringen könnte. Der Himmel war blau und nur der schwache Wind kräuselte die Wellen. Im heutigen Evangelium wird es stürmisch. Markus schildert in den vorangegangenen Kapiteln die Gleichnisse Jeus, die die Jünger nicht immer verstanden. Nun aber geht es zur Sache. Gestandene Männer – fast alle Fischer- erleben einen furchtbaren Sturm, das Schiff droht zu kentern, der Meister schläft- schläft den Schlaf des Gerechten. „Willst du uns umkommen lassen?“ Herr, hilf uns.
Szenenwechsel:
Als ich in jungen Jahren in meiner Pfarrgemeinde anfing, mich für Gemeinde und Kirche zu engagieren, da waren die Kirchen voll, 4 Gottesdienste am Wochenende, drei Priester, eine sozial schwierige Gemeinde im Norden von Münster. Enge Kontakte zu den Priestern, die jederzeit bereit zu Gesprächen waren, die Gemeinde hielten zusammen. Und heute: Dreifaltigkeit besteht nicht mehr- Es ist ein Geschäfts – und Wohnhaus geworden. Die Nachbargemeinde hat ihre Kirche aufgeben müssen, da sitzt jetzt die Kirchenzeitung und die Stammgemeinde klagt wie viele andere über schwachen Kirchbesuch. Über die Kirchengemeinden zieht ein Sturm, Zusammenlegungen, mangelndes Engagement der Gläubigen, nicht mehr zu verstehende Anordnungen der Kirchenoberen. Das Leben verweltlicht, die Abstände zwischen Kirche und Gesellschaft werden größer, die offene Ablehnung egenüber Kirche wächst. „Willst du uns zu Grunde gehen lassen? – Herr, hilft uns.“
Noch ein Szenenwechsel:
Auf dem Mittelmeer starben in den letzten Jahren 23.000 Menschen in den Fluten des Meeres. Flüchtlinge, auf der Flucht aus ihren Heimatländern in die Hoffnung EUROPA. Menschen, aus Syrien- vom Krieg verfolgt, Menschen aus Eritrea- vom politischen System ihres Landes verfolgt. Menschen aus den Krisengebieten Afrikas- verfolgt-, ohne Hoffnung auf eine Verbesserung ihres Lebens. Eine große Anzahl: Tausende. Sie begeben sich in die Hände von Schleppern, Gangstern und Ganoven. Eingepfercht in kleine Schiffe sind sie den Wellen, dem Sturm preisgegeben. Wer es schafft wird enttäuscht- Europa macht dicht. Grenzsicherung heißt es. Italien und Griechenland werden der Welle nicht mehr her. Deutschland stöhnt unter der Last, ( gibt aber 300.000.000 für einen Gipfel aus) Die Flüchtlinge auf dem Meer bitten: „Wollt ihr uns zu Grunde gehen lassen, helft.“
Für die Jünger war es einfach, so glauben wir. Jesus ist bei Ihnen. Er kann angesprochen werden ganz konkret. Was erhoffen sie sich? – Sie sind die Fachleute im Sturm. Jesus aber wendet sich dem Sturm zu: Schweig. Und der Wind wird still, die Wellen schwach, die Katastrophe ist vorbei. Gerettet. „Ihr Kleingläubigen“ müssen sich die Jünger anhören. Warum glaubt ihr nicht? Und sie staunten über den, dem die Wellen und das Wetter gehorchen. Ein Beweis, dass er da ist, Gottes ist Sohn der, dem die Gewalten gehorchen.
Wie gerne möchten wir das auch heute noch erleben. Jesus greift in das Geschehen ein. Die Gemeinden werden stark und kräftig, können ihre Aufgaben erfüllen, füllen sich wieder mit Leben. Aber er ist nicht da? Oder doch?. In den Schriften und den Überlieferungen gibt er Hoffnung: „Ich bin da, wo zwei oder drei versammelt sind. Ich bin da, ich bin der Glaube, die Hoffnung, der Weg und die Liebe. Ihr Kleingläubigen“. Gott dem Sturm und Wellen gehorchen, gibt uns seine Zusage. Uns, ja. Jedem von uns. Manches GEHT QUER IN DER Kirche; aber es gibt auch Hoffnungsschimmer, dass Menschlichkeit und Verständnis und Nächstenliebe verstaubte Regeln überwinden. Am Freitag läuteten die Glocken in Köln und Ibbenbüren- Statt Grenzsicherung- für die 23.000 Toten im Mittelmeer- nicht nur zum Gedenken, sondern auch zum Protest gegen die Willkür der Europäischen Länder in den Fragen der Flüchtlingsaufnahme. Diese Menschen sind keine Schmarotzer, sondern sie wollen leben und leisten, eine Heimat finden. So ein großer Bericht und eine Serie in der IVZ von Freitag. Menschen denken um. Wir nehmen pro Kopf der Bevölkerung nicht die meisten Flüchtlinge auf, Schweden hat hier die größere Zahl. Und das Leben dort läuft. Bunt und vielfältig. Die meisten Flüchtlinge bleiben in ihren Regionen: Türkei, Libyen, Libanon usw., die Millionen von Flüchtlingen aufnehmen müssen, die über die Grenzen in ihre Länder strömen. Länder, die wirtschaftlich am Rande stehen.
Indes hat Papst Franziskus zu mehr Solidarität mit Flüchtlingen aufgerufen. „Bittet um Vergebung für alle Institutionen und Personen, die denen die Tür verschließen, die ein Leben, eine Familie und Sicherheit suchen“, sagte der Papst am Mittwoch bei der Generalaudienz in Rom. Er hoffe, dass die internationale Gemeinschaft einstimmig und effizient handele, um gegen die Ursachen, die Menschen in die Flucht treibe, vorzugehen.
Jesus wird den Sturm auf dem Mittelmeer nicht stillen- Heute sind wir gefragt: die Gemeinden in Deutschland und der Welt: Ungerechtigkeit anprangern kann jeder von uns, finanziell helfen einige sicher auch. Die Gruppen vor Ort unterstützen, die sich den Flüchtlingen widmen ist sicher eine Pflicht der Kirchen Gemeinden und der Gesellschaft.
Die Flüchtlingswelle ist ein großes Problem, das wir nicht lösen können, aber wir sollten auch öffentlich alle unterstützen die Wege der Menschlichkeit gegen wollen. Machen wir ernst- damit es nicht heißt: Ihr Kleingläubigen, warum glaubt ihr nicht. Die heutige Kollekte- jetzt gleich nach der Predigt- ist für den Arbeitskreis „Asyl“ der Michaelgemeinde, der Flüchtlinge unterstützt, betreut und mit ihnen Deutsch lernt.




8.März 2015

"Verklärung"  3. Fastensonntag  Lesejahr B

EVANGELIUM: JOH 2,13-25

 

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.

Gemeinde: Ehre sei dir, o Herr.

Kreuzzeichen auf Buch, Stirn, Mund und Brust.

 

3 Als das Passafest näher kam, ging Jesus hinauf nach Jerusalem.

14 Im Vorhof des Tempels sah er die Händler, die dort Rinder, Schafe und Tauben verkauften; auch die Geldwechsler saßen dort an ihren Tischen.

 

15 Da machte er sich aus Stricken eine Peitsche und trieb sie alle aus dem Tempelbezirk, mitsamt ihren Rindern und Schafen. Er fegte das Geld der Wechsler zu Boden und warf ihre Tische um.

16 Den Taubenverkäufern befahl er: »Schafft das hier weg! Macht aus dem Haus meines Vaters keine Markthalle!«

 

17 Seinen Jüngern kam das Wort aus den Heiligen Schriften in den Sinn: »Die Liebe zu deinem Haus wird mich noch umbringen.«

 

18 Die führenden Männer fragten ihn: »Woran können wir erkennen, dass du so etwas tun darfst? Gib uns ein Wunderzeichen als Beweis!«

 

19 Jesus antwortete ihnen: »Reißt diesen Tempel nieder, und in drei Tagen werde ich ihn wieder aufbauen!«

 

20 Sie hielten ihm entgegen: »Für den Bau dieses Tempels wurden sechsundvierzig Jahre gebraucht! Und du willst ihn in drei Tagen wieder aufbauen?«

 

21 Mit dem Tempel meinte Jesus aber seinen Leib.

22 Als er vom Tod auferstanden war, erinnerten sich seine Jünger an dieses Wort. Da glaubten sie den Heiligen Schriften und dem, was Jesus damals gesagt hatte.

 

23 Während sich Jesus am Passafest in Jerusalem aufhielt, kamen viele zum Glauben an ihn, weil sie die Wunder sahen, die er vollbrachte.

24 Aber Jesus traute ihnen nicht und hielt sich ihnen gegenüber zurück, weil er sie alle durchschaute.

25 Über die Menschen brauchte ihm niemand etwas zu sagen, denn er kannte das menschliche Herz bis auf den Grund.

 

Nach dem Evangelium:

Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.

Gemeinde: Lob sei dir, Christus.




Liebe Mitchristen hier in der Kapelle, liebe Patientinnen und Patienten auf den Stationen

Ja, das würde man heute als Palastrevolution bezeichnen, was Jesus uns da  vorführt.  Er, der gläubige Jude bricht in das Tempelleben ein.  Er – so zeigen uns Bilder und Grafiken aus den verschiedensten Bibelausgaben- greift zu einer Geißel und vertreibt Händler und Geldwechsler  aus dem Tempel: „Das ist ein Haus des Gebetes- ihr aber habt es zu einer Räuberhöhle gemacht.“  Der Tempel, das Heiligtum der Juden bis zur Zerstörung um 70 nach Christus durch die  Römer.  Einer, der die 10 Gebote Moses  beachtetet – begeht hier einen eindeutigen Frevel. Er stellt den Tempel in Frage. 

Der Evangelist Johannes- der Theologe unter den Evangelisten- stellt diese Geschichte  aus dem Leben Jesu fast an den Anfang   seiner Schrift.  Die anderen  Matthäus, Markus und Lukas  beschreiben den Vorfall erst kurz vor der Kreuzigung. Bei ihnen ist es  der Auslöser  zum Leiden Jesu. Die Herrscher wollen ihn loswerden.

Was war der Tempel?  Für die Juden das Zentrum der Anwesenheit Gottes. Im Lauf der Jahrhunderte hatten sich Riten, Opferungen von Tieren und ein groß angelegtes Wallfahrtsgeschäft im Tempel entwickelt.  Die Priester und Leviten  verdienten hier und  häuften Reichtümer an. Der Tempel war zu einer Großbank geworden.   Zinsen und Abgaben flossen hier zusammen. Der Zehnte aus dem Erwerb von Geschäften und der Ernte, Sondersteuern und Sonderabgaben. Der Umsatz von Opfertieren, die dann dem Tempel gestiftet wurden und die Erlöse der Geldwechsler- denn alle mussten ihr Geld umtauschen, da  im Tempel   eine eigene Währung galt. Geldeinlagen reicher Juden wurden hier  ebenso verwaltet, wie die Einkommen der Herrscher.   Ein alttestamentliches Bankenviertel wie in London und Frankfurt war entstanden.   Jeder der zu Gott wollte, musste hier seinen Obolus leisten.  Eine Schranke war vor dem Zugang zu Gott errichtet worden.  Regelungen und Gebote, Verbote  und Opfer  waren  die Hürden die zu nehmen waren und die Priester waren die alleinigen Vermittler zu Gott. .   Regeln sind wichtig. Die Gebote Gottes vom Sinai stehen. Sie geben den Menschen Halt und Orientierung.  Es sind Gebote, die das Menschsein erst möglich machen.  Die Gebote geben eine Richtschnur und umfassen nur die schlimmsten Taten: Mord, Totschlag, Freiheitberaubung.  Zerstörung des wirtschaftlichen Lebens eines Mitgliedes der Gesellschaft.

Aus diesen Grundgeboten  werden eine Fülle von Rechtsvorschriften,  die eingehalten werden müssen, die eingehalten werden sollen.  Der Tempel und die Priester, die Schriftgelehrten und Pharisäer setzen alles daran alle Kleinigkeiten des Lebens zu regeln. Und Regelverstöße werden geahndet.  Zum Teil schlimmer geahndet als  ein Verstoß gegen die grundlegenden Gebote.  Der Mensch wird zum Sünder und die Sünder sind fern von Gott und die einzige Hilfe ist die Vermittlung durch die 3000 Tempelpriester und 8000 Leviten.   Durch Opfer mit Gott ins Reine zu kommen.

 

Und das ist es was Jesus im wahrsten Sinne auf die Palme brachte.   Es war eine kleine Revolution im Vorhof des Tempels. Das  Innere hat Jesus nie in Frage gestellt. Das Heilige, das Allerheilige, seinen Vater.  Und Jesus sieht sich selbst als Tempel (Ort und Mensch)  der zerstört und nach drei Tagen aufgebaut ist.  Er ist die Mitte des zukünftigen  Glaubens.  Er und nicht der Tempel in Jerusalem. Nicht Gebäude und Institution  ist das Zentrum, sondern er: der Gottessohn und Sohn der Menschen.

Im Johannesevangelium folgen dann Geschichten über Nikodemus, der Jesus aufsucht, die Frau am Jakobsbrunnen,  Totenerweckung und Heilung von Kranken.  In keiner dieser Geschichten geht es um Gebote und Verbote und um Opfer. Jesus  geht von einer anderen Qualität des Gottesbezugs aus. Da ist die Hinwendung Gottes zu dem Gläubigen Menschen das zentrale Thema.   Jesus wendet sich dem Bittenden zu.   Dieser braucht nichts mitzubringen als seinen Glauben, seinen Glauben das Gott hilft  seinen Glauben, das Gott ihm Sünden vergibt.   Da braucht es keinen Vermittler.  Das ist Gott auf Augenhöhe: ein Gott der sieht, der mitleidet, ein Gott  des Erbarmens. 

Jesus ist der Weg, die Wahrheit, das Licht und das Leben  wie Johannes es formuliert  am Beginn seiner frohen Botschaft.   Gott ist der liebende Vater, der keines seiner Kinder im Regen stehen lässt.

Für uns bedeutet das, dass Gott für jeden von uns Ansprechpartner ist, wenn wir uns an ihn wenden.  Von Jesus haben wir  das gelernt.  Nicht  starre Institution, sondern lebendige Gemeinschaft und  die Einfachheit des Glaubens  führen uns zu Gott.  Der gemeinsame Weg einer Gemeinde, die sich dem Gebet und der Caritas öffnet . 

Im Gottesdienst wenden wir uns Gott zu, wir nehmen uns die Zeit zur Kommunikation mit ihm. Er spricht zu uns in den Texten der heiligen Schrift, er wendet sich mir zu. Warum  sollte das nicht in meiner Sprache geschehen statt in alten Liturgischen Formeln, die schwer verständlich sind und uns heute kaum noch erreichen?

In der Zeitung wurde am Wochenanfang über die große Unzufriedenheit der Gläubigen mit ihrer Kirche berichtet. Eine groß angelegte Befragung wurde vom Bischof  vorgestellt.    Vielen sagt die Institution  nur noch sehr wenig.  Liturgische Sprache und Handlungen sind vielen fremd, besonders den jungen Menschen.   Regeln und Reglementierungen werden häufig abgelehnt, als nicht mehr zeitgemäß empfunden.  Hierarchie und Einengung der Persönlichkeit  wird als Zwang empfunden. Die Entwicklung der Caritas wird nicht mehr mit der Kirche in Verbindung gebracht.  Die  Anonymisierung  durch Großpfarreien    erschreckt und lässt viele  Aktivitäten im Sande verlaufen.   Menschen  ziehen sich zurück.  Kommunikation auf Augenhöhe  wird vermisst.   Die Hauptamtlichen der Kirche haben einen anderen Eindruck. Für sie ist die Welt noch fast in Ordnung.

Machen wir uns auf den Weg. Lassen wir uns Veränderungen immer und immer  wieder anstoßen. Die Fenster öffnen um den Geist hereinzulassen, wie es Johannes XXIII  formulierte. Kirche ist nicht Gebäude und Institution, Kirche, das sind lebendige Menschen  auf der Suche nach Sinn ihres Lebens, auf der Suche nach Gott.

Ich fand eine Aussage  von Mutter Teresa in einem Buch von Altbischof Kamphaus, der sein Leben auf die Botschaft Christi ausgerichtet hat: Mutter  Teresa: „ Keiner darf so aus der Kirche hinausgehen, wie er hineingegangen ist“ . Es verändert sich was. Wandlung. Christus ist durch Gottes Geist in Brot und Wein gegenwärtig. Er ist ganz da, ist in unserer Mitte, damit wir uns in seinem Sinne wandeln lassen, damit sich Welt verändert.  Und Kamphaus schreibt   weiter: in einer alten  Kirche fand ich den Spruch: „Hier tritt man ein um Gott zu lieben. Von hier geht  man fort, um die Menschen zu lieben.“

Amen






2014 "Fest der hl. Familie"





Meditation zum Bild:

Meditation

 

Ein Mann und eine Frau

In einer Blase, einem Schutzraum, einem hellen Raum

 In einem Lichtraum

Sie sind einander zugewandt, schauen sich an, 

das  Ei bewahrt sie,

der Kreis schützt sie

 geschlossener Raum, ein  Kreis,

Die Beiden  öffnen ihre Hände, --

sie öffnen ihr Inneres, sie öffnen ganz

 

Ihre Körper schützen und bewahren

Pflanze, eine Wurzel, ein Reis, Wurzel Jesse,  

Es ist etwas Neues, Neues Leben, 

 Ihre Augen sind auf dieses Wunder gerichtet

Ein Licht geht aus von dem  neuen

Es ist zart.   Es strahlt in die Welt, das neue, das neugeborene Leben  

 

Wurzel Jesse, Reis, neues Leben

Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt

Krippe, Jesus Maria Josef… Schutz vor Gefahr, Schutz bis zum Kreuz,

Eine Familie, Heilige  Familie

 

Julia  und Pascal warten auf das Kind,  es kommt in ihre Mitte

Marie und Christian warten auf das Kind,  das neue,  es kommt in ihre Familie,

die jungen Eltern bereiten sich vor

bilden sich

schützen den  Schutzlosen

Bewahren das kleine das neue, das neu geschenkte

Schützen  die Schutzlose

Familie – unsere Familie

 

Neben dem Schutzraum,

Äste, knorrige, tote Büsche, braun, verbrannt, verbraucht, dornig drohend,

bedrohend

Sie berühren des Schutzraums, bedrängen, piksen,

durchstoßen  ihn?

„ Maria -  ein Schwert wird dein Herz durchstoßen,

„Maria durch einen Dornwald ging“

du wirst leiden,  Verlust Ängste,

 „sucht ihr mich.. Muss ich nicht im Haus meines Vaters sein,

Sie die Mutter, seine Mutter  stand unter dem Kreuz,

Sie, seine Mutter legte ihn ins Grab., 

 

Ängste der Eltern:

Totgeburt, plötzlicher Kindstod,  „mein Sohn  hat sich abgewandt von der Familie

„die Tochter ist im Dickicht der Drogenwelt   verschwunden“

„Der Vater  hat eine Neue, neue Frau, neue Familie, Patchwork“.

„Sie hat ihn hintergangen“

Dornen des Lebens,  die piksen,

Die Dornen die verletzten,

Dornen, die weh tun, wenigstens  einem.

Dem Kind

Dem Vater

Der Mutter

 

Familie

 

Alles  ist im Fluss,

die Zeit, die Gesellschaft, das Leben

Der Fluss hat Windungen,

Stromschnellen und Wasserfälle,

reißend, tosend, gewaltig  

Er gibt und schenkt Leben durch sein Wasser

Er bringt und birgt Gefahren durch sein Wasser

Es steht uns oft  bis zum Hals

 

Es birgt Hoffnungen und Enttäuschungen das Erwachsen werden,

das Großwerden, das Leben

 

Josef verlässt seine Verlobte Maria nicht

Josef Macht sich auf den Weg, in die Fremde, nach Ägypten

Maria steht zu Jesu, begleitet ihn auch wenn sie ihn nicht immer versteht

Das Leben Jesu:

Ruhig  und gelassen

Aufmunternd und heilend

Angstvoll und verletzt.

Getötet

 

Auch unsere Familien liegen am Fluss des Lebens

Generationen,  winden sich durch die Zeit

Der Fluss ändert sich, die Zeit ändert sich

Die Familie ändert sich,

wird in Stromschnellen zerschlagen

Das Leben geht den Bach runter, wie wir sagen

Ein-Kind Familie

Alleinerziehende

Patchwork Familie

Kinder  allein gelassen, Kinder ausgesetzt und verlassen,

 weggeworfen…

 

 

Aber auf der anderen Seite Hoffnung

 Der bunte Papagei,  frech, laut und voller Leben

der blühende Baum, Baum der Hoffnung und des Lebens  

Früchte, Schönheit des Lebens, Stärke  und Zukunft

die Seerose, Schönheit  die aus der Tiefe wächst

Schönheit die verzaubert

 

Schönheit   des Lebens

Glück im Leben

Das Leben leben

Bunt, farbig und in Verschiedenheit.

Das Leben genießen in Ruhe und Frieden

 

So wünschen wir Familie

So hoffen wir Familie

Familie in Liebe

In Geborgenheit und Schutz,

in Verständnis  und im gegenseitigen Verstehen

Gegenseitigem Vertrauen, das trägt

 

So wünschen wir  uns eine Heilige Familie

Eine heile Familie

Eine Familie im Glauben:

 

 

„Herr,  deine Brüder, Schwestern und deine Mutter stehen draußen

Wer ist meine Mutter, wer sind meine Schwestern und Brüder?“

 

Alle, die Wort Gottes….

Hören

Verstehen

Aufnehmen

Und umsetzen

 

Amen  






20.Sonntag im Jahreskreis

Frau,EVANGELIUM: MT 15,21-28

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
Gemeinde: Ehre sei dir, o Herr.
Kreuzzeichen auf Buch, Stirn, Mund und Brust.
21 Jesus verließ die Gegend und zog sich in das Gebiet von Tyrus und Sidon zurück.
22 Eine kanaanitische Frau, die dort wohnte, kam zu ihm und rief: »Herr, du Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir! Meine Tochter wird von einem bösen Geist sehr geplagt.«

23 Aber Jesus gab ihr keine Antwort. Schließlich drängten ihn die Jünger: »Sieh zu, dass du sie los wirst; sie schreit ja hinter uns her!«

24 Aber Jesus sagte: »Ich bin nur zum Volk Israel, dieser Herde von verlorenen Schafen, gesandt worden.«

25 Da warf die Frau sich vor Jesus nieder und sagte: »Hilf mir doch, Herr!«

26 Er antwortete: »Es ist nicht recht, den Kindern das Brot wegzunehmen und es den Hunden vorzuwerfen.«

27 »Gewiss, Herr«, sagte sie; »aber die Hunde bekommen doch wenigstens die Brocken, die vom Tisch ihrer Herren herunterfallen.«

28 Da sagte Jesus zu ihr: »Du hast ein großes Vertrauen, Frau! Was du willst, soll geschehen.« Im selben Augenblick wurde ihre Tochter gesund.


Nach dem Evangelium:
Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.
Gemeinde: Lob sei dir, Christus.
dein Glaube ist groß.....



Predigt bitte anklicken





33. Sonntag / Volkstrauertag


Evangelium :

EVANGELIUM: LK 21,5-19

 

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.

Gemeinde: Ehre sei dir, o Herr.

5 Einige Leute dort im Tempel schwärmten:

"Aus herrlichen Steinen ist das alles gebaut

und mit Weihegeschenken prächtig ausgestattet!“

Aber Jesus sagte:

6 "Es kommt die Zeit,

da wird von allem, was ihr hier seht,

kein Stein auf dem anderen bleiben.

Es wird alles zerstört werden.“

 

7 Die Leute fragten Jesus:

“Lehrer, wann wird das sein?

Und an welchen Zeichen erkennen wir,

dass es so weit ist?“

8 Jesus antwortete:

“Passt auf

und lasst euch nicht in die Irre führen.

Viele werden unter meinem Namen auftreten

und behaupten:

'Ich bin es!’

Und:

'Die von Gott bestimmte Zeit ist da!’

Lauft ihnen nicht nach!

 

9 Erschreckt nicht,

wenn ihr von Kriegen und Aufständen hört.

Das alles muss zuerst geschehen.

Aber dann kommt noch nicht sofort das Ende.“

10 Jesus fuhr fort:

“Ein Volk wird gegen das andere kämpfen

und ein Reich das andere angreifen.

11 Es wird schwere Erbeben geben.

Und an vielen Orten werden Hungersnöte

und Seuchen ausbrechen.

Schreckliche Dinge werden geschehen

und am Himmel werden gewaltige Zeichen erscheinen.“

 

12 “Bevor das alles eintrifft,

wird man euch Gewalt antun

und euch verfolgen.

Man wird euch an die Synagogengerichte ausliefern

und ins Gefängnis werfen.

Vor Könige und hohe Regierungsbeamte

wird man euch stellen,

weil ihr euch zu mir bekennt.

13 So werdet ihr als Zeugen für mich auftreten.

14 Dabei sollt ihr beherzigen:

Legt euch erst gar keine Verteidigungsrede zurecht!

15 Denn ich selbst

werde euch Worte in den Mund legen,

die kein Gegner widerlegen kann.

Und ich werde euch Weisheit schenken,

der niemand widerstehen kann.

 

16 Ihr werdet verraten werden:

von euren Eltern und Geschwistern,

von euren Verwandten und Freunden.

Einige von euch wird man sogar töten.

17 Alle werden euch hassen,

weil ihr euch zu mir bekennt.

18 Aber kein einziges Haar von eurem Kopf

wird verloren gehen.

19 Haltet also durch

und gewinnt so das Leben!“



 




Predigt zum Tag bitte anklicken  ( .doc)






16. Sonntag "Maria und Marta"  Lesejahr C



EVANGELIUM: LK 10,38-42

 

 

Jesus bei Maria und Marta

38 Als Jesus mit seinen Jüngern weiterzog,

kam er in ein Dorf.

Dort nahm ihn eine Frau als Gast bei sich auf.

Ihr Name war Marta.

39 Sie hatte eine Schwester,

die Maria hieß.

Die setzte sich zu Füßen des Herrn nieder

und hörte ihm zu.

40 Aber Marta war ganz davon in Anspruch genommen,

sie zu bewirten.

Schließlich ging sie zu Jesus

und sagte:

"Herr, macht es dir nichts aus,

dass meine Schwester mich alles allein machen lässt?

Sag ihr doch, dass sie mir helfen soll!"

41 Aber der Herr antwortete ihr:

"Marta, Marta!

Du bist so besorgt

und machst dir Gedanken um so vieles.

42 Aber nur eins ist notwendig:

Maria hat das Bessere gewählt,

das wird ihr niemand mehr wegnehmen."


Predigt: bitte anklicken



Dreifaltigkeitssonntag

Lesejahr C


Grafik zur Predigt   bitte anklicken 

 
Lesung aus dem Buch der Sprichwörter.
22 Am Anfang hat der HERR mich geschaffen,
ich war sein erstes Werk vor allen anderen.
23 In grauer Vorzeit hat er mich gemacht,
am Anfang, vor Beginn der Welt.
24 Als ich geboren wurde, gab es noch kein Meer
und keine Quelle brach aus der Tiefe hervor.
25 Der Grund der Berge war noch nicht gelegt,
die Hügel waren noch nicht entstanden.
26 Gott hatte noch nicht die Erde gemacht,
vom festen Land und seinen Feldern
war noch nicht das Geringste zu sehen.
27 Ich war dabei, als er den Himmel wölbte
und den Kreis des Horizonts festlegte
über den Tiefen des Ozeans,
28 als er die Wolken hoch oben zusammenzog
und die Quellen aus der Tiefe sprudeln ließ,
29 als er dem Meer die Grenze bestimmte,
die seine Fluten nicht überschreiten dürfen,
als er die Fundamente der Erde abmaß –
30 da war ich als Kind an seiner Seite,
ich freute mich an jedem Tag
und spielte unter seinen Augen.
31 Ich spielte auf dem weiten Rund der Erde
und hatte meine Freude an den Menschen.

32 Deshalb, ihr jungen Leute, hört auf mich!
Wie glücklich sind alle, die mir folgen!



Predigt bitte anklicken

 


Nach der Predigt wurde folgendes Glaubenbekenntnis gebetet:

Ich glaube
- an das Mysterium Gott, dem Schöpfer aller Welten, Erfinder und Künstler
- an sein Geschenk der Schöpfung, die uns ernährt und erfreut:
Pflanzen, Tiere und die ganze Natur, mit der wir achtsam umgehen sollen
- die heilige Kraft, die Mutter und Vater für uns ist, Weisheit, Güte und grenzenlose Liebe.

Ich glaube an Jesus Christus.
- Er ist eins mit Gott und eröffnet uns den Zugang zu diesem Mysterium als Quelle des Lebens.
- Er macht uns das Göttliche in uns bewusst und zeigt, worauf es im Leben ankommt.
- Er ist Vorbild für uns in jeder Beziehung und für alle Zeiten:
menschlich, heilend und einigend.
- Seine Botschaft ist glaubwürdig durch sein Leben und seine Auferstehung unter uns.
- Er hat die Schuld der Menschen auf sich genommen und macht uns frei,
- lädt alle zu seinem Mahl ein und ist für immer unser Freund und Bruder.

Ich glaube an den Heiligen Geist,
- Schöpferin der Liebe, die uns die Verblendung nimmt und uns hilft, uns selbst zu verstehen
und zu erfahren, wie wir vor Gott sind.
- Als göttliche Kraft befähigt sie uns, zu entscheiden und zu handeln,
einen neuen Aufbruch zu wagen und Auferstehung zu erleben.
- Sie sammelt Menschen, die an Jesus Christus glauben,
die nicht wie beim Turmbau zu Babel unterschiedlich reden und sich entzweien,
sondern die Gemeinschaft bilden, in der Männer und Frauen gleichwertig wirken
für Gerechtigkeit und Frieden - auch unter den Religionen - für alle Menschen.

Ich glaube an das ewige Leben,
- die Vollendung aller Dinge.
- Gott beruft alle Menschen über die Zeit hinaus zu unbeschreiblicher Glückseligkeit.
- Wir dürfen sehnen und uns dehnen,
unser Bewusstsein und uns selbst ganz und gar weiten,
überwältigt von der Barmherzigkeit Gottes,
und Gott begegnen und unendlicher Schönheit.





2.Sonntag im Jahreskreis

2013 - Lesejahr C


Evangelium:

1 Am dritten Tag wurde in Kana in Galiläa eine Hochzeit gefeiert. Die Mutter von Jesus war dabei,

2 und auch Jesus war mit seinen Jüngern dazu eingeladen.

3 Als der Weinvorrat zu Ende war, sagte seine Mutter zu ihm: »Sie haben keinen Wein mehr!«

4 Jesus erwiderte ihr: »Frau, das ist meine Sache, nicht deine! Meine Stunde ist noch nicht gekommen.«

5 Da wandte sich seine Mutter an die Diener und sagte: »Tut alles, was er euch befiehlt!«


siehe weiter:

Predigt und Texte   bitte anklicken




1. Adventssonntag Lesejahr C

Die Gabel

Evangelium:


EVANGELIUM: LK 21,25-28.34-36

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.
Gemeinde: Ehre sei dir, o Herr.
Kreuzzeichen auf Buch, Stirn, Mund und Brust.
25 “Zeichen werden zu sehen sein
an der Sonne, dem Mond und den Sternen.
Auf der Erde werden die Heiden zittern
und nicht mehr aus noch ein wissen
vor dem tosenden Meer und seinen Wellen.
26 Die Menschen vergehen vor Angst,
während sie auf das warten,
was über die ganze Welt hereinbrechen wird.
Denn sogar die Ordnung des Himmels
wird erschüttert werden.
27 Dann werden alle es sehen:
Der Menschensohn kommt auf den Wolken
mit großer Macht und in himmlischem Glanz.

Predigt und Texte bitte anklicken












7.Oktober  

Bibel: ein Liebesgschichte

Liebe Mitchristen hier in der Kapelle

 

Roman, Erzählung, Gesetzestext, Geschichte der Mächtigen, Geschichte der Armen, der Helden, der Verlierer, Fabeln, Gleichnisse, Parabeln, Gedichte, Glaubensbuch.

Liebe Hass, Vertrauen, Glauben, Zweifeln, Versagen, Siegen, Strafen, Unterwerfung, Treue, Aufbegehren, Hingabe, Wundern,  Zerstörung, Zorn, Weisheiten, Gerechtigkeit und das Ganze in 72 Büchern, das ist die Bibel. Eine Bibliothek, eine Sammlung von Texten, denen nichts Menschliches fremd ist.

An meinem und um mein Bett stehen immer viele Bücher, Sachbücher, Romane und Erzählungen. Sehr zum Leidwesen meiner Frau, die Staub wischen muss. Als wir neulich im Auto über die Bibel sprachen und ich behauptete, da ist alles drin, lächelte meine Frau und sagte schelmisch: Dann reicht doch eigentlich ein Buch an deinem Bett. Fürs Staubwischen wäre das toll. Und meine Tochter Theologiestudentin warf ein:  „Hast du die Bibel eigentlich schon mal ganz gelesen?“

Nein muss ich bekennen: wichtige Teile schon- aber an das Ganze habe ich mich noch nicht herangetraut.

Woran liegt das?  Ich glaube, dass manche Teile sehr sperrig sind, nicht leicht zu verstehen, noch weniger leicht zu übertragen.  Wichtige Teile: Mose-Geschichte, David, Könige, Josef und so weiter sind uns allen bekannt.. Auch die Evangelien bereiten uns kaum noch sehr große  Schwierigkeiten Hören wir sie doch in Wechsel von drei Jahren in den Gottesdiensten und erleben gerade hier in der Kapelle gute Ausdeutungen in den Predigten.  Viele Bücher sind und werden geschrieben zur Auslegung und Übertragung der Bibel in unsere heutige Zeit, auf unser heutiges Verständnis von Welt.  Dafür sind wir dankbar.

Aber immer noch greifen sehr wenige in Deutschland zur Bibel,  dem meistverkauften und in fast alle Sprachen und Dialekte übersetzte Buch. In jeder fast jedem, Bücherregal  steht eine, wird aber kaum gelesen  einer Umfrage zu Folge nur von ca. 25 Prozent der Christen. Wenn wir glauben,  in der Schule würden die Schüler im Religionsunterricht alles lernen und verstehen, so hört sich folgende Aussage eines Jugendlichen ganz anders an. Auf die Frage:“ Was steht denn in der Bibel“  antwortete der sehr selbstsicher und spontan: „Alles: von der Geburt Mohammeds bis zur Kreuzigung von MartinLuther.“- Dem ist nichts hinzuzufügen.

Aber es bleibt die Frage, hast die Bibel uns heute überhaupt noch etwas zu sagen?-  Kann sie zur Lösung unserer Fragen und Nöte beitragen?

Fangen wir mit dem Anfang an. In der Rückschau, denn es war niemand dabei,   erzählt uns der Verfasser der Genesis in einem wundervollen Gedicht und Loblied,  dass Gott die Welt erschaffen hat.  Wie und wann erzählt er nicht. Das will er auch nicht, denn für ihn ist die Aussage wichtig, die Botschaft.- Und einen Teil dieser Botschaft sehen wir heute hier in der Kapelle: Die Vielfalt der Früchte, die Menge und Überfülle auf den Feldern. Gott hat alles geschaffen und uns, den Menschen in Obhut gegeben.  Das Süße und das Saure, das Bittere, das Wohlschmeckende. Unsere Nahrung. Unseren  Genuss. (leider nicht für alle Menschen, aber das ist nicht Gottes Wille)

Ob Evolution oder  andere Theorien gelten mögen: aus dem „Nichts“  kann nach menschlichem Ermessen nichts werden. Und dann sprechen wir von Ewigkeit. Ewig ist aber ist nicht Materie sondern Geist und für uns Christen und Menschen aller Religionen ist das der Geist, der Geist Gottes in allen seinen Fassetten und Namen. Der Geist Gottes ist Schöpfung.

Und wenn ich da bin, in der Welt bin, dann frage ich, dann suche ich;

Und so suchen wir alle nach einen Sinn in unserem Leben: . Woher komme ich, wohin gehe ich? Warum lebe ich? Wie lebe ich? Antworten sind nicht leicht. Der Glaube hat diese Antwort: in den suchenden Propheten, in den großen Gestalten der Bibel: Abraham, Sarah, Hiob,  Sie machen sich auf den Weg, zu suchen und zu finden. In Bedrängnis und Leid, hungernd und frierend. Sie fragen, schreien zu Gott und als sie still werden kommt eine Antwort. Und Gott sagt zu Salomon: „Ich liebe die, die nach mir suchen und die mich suchen werden mich finden“

Mose sucht keine Antwort, er wird von Gott erwählt. Das Volk der Israeliten benötigt einen Führer und Lenker:  Und die Beauftragung  zum Handeln, zu Befreiung  bekommt Mose im Dornbusch: „Ich bin der, ich bin da“.  Und er ist  da für sein Volk und für Mose,. Gott gibt ihnen in der Wüste Regeln für das Zusammenleben: die 10 Gebote und er setzt hinzu:

Ich bin Jahwe, dein Gott. Ich begleite Dich durch alle Mühsal und ich begleite mein Volk. Ich habe Noah gerettet vor der Sintflut und auch die Israeliten aus der Hand es Pharao“

Gott ist Sinn und  Begleitung und Halt.

Und beim weiterlesen in der Bibel stellen wir immer wieder fest: Gott schreibt gerade auch auf krummen Zeilen. Er sieht und erlebt die Untreue seines Volkes, er richtet und straft, aber wem  er die Tür zuschlägt öffnet er auch ein Fenster: Bei den Querelen von Salomon und David,  bei der Geschichte um das Goldene Kalb, bei Noah errettet er  die Menschheit vor dem Verderben. Er lasst sich mit Abraham auf Verhandlungen ein bei der Zerstörung von Sodom und Gomorrha.

Durch die Zeiten ist Gott nach den Geschichten der Bibel ein Begleiter seines Volkes. E r gibt nicht auf. Immer wieder finden die Verfasser der biblischen Bücher Hinweise auf das Handeln Gottes.  Sein Wort und seinem Namen wollen sie folgen, wie David in den Psalmen schreibt: „Ich freue mich über dein Wort, wie einer der große Beute findet“

Das Alte Testament oder erste Testament ist die Geschichte unseres Gottes mit seinem Volk Israel. Und diese Geschichte prägt bis heute die jüdischen Gemeinden und das Volk, bis in die  Gebote, die ihnen durch Mose und die Geschichte gegeben wurde. Und die sind nicht zu ändern- auch wenn uns manche davon heute unsinnig erscheinen. Ein Israelin sagte auf diese Frage : „Wir haben in der jüdischen Religion keinen Priester und keinen oberen Kirchenlehrer, der die Gebote ändern könnte. Also behalten sie ihre Gültigkeit – wir haben weiter die koschere Küche, den Sabbat-Aufzug und das Gebot am Sabbat zu ruhen. Und wir warten bis er kommt: der Messias“.  Soweit die gläubige Judin.

Für uns Christen ist dieser Gott der Bibel da  und alle Verheißungen aus dem 1.Bund mit Israel haben sich in der Geburt, dem Leben, dem Tod und der Auferstehung Jesus erfüllt.

Gott sendet seinen Sohn, der wird Mensch, lebt unter den Menschen, teilt ihre Gefühle und ihr Leben. Er schrieb Glauben, Hoffnung und Liebe auf seine Fahne, wandte sich den Armen zu und verkündet das Heil.

Er gibt unserem Suchen ein Ziel: Ich gebe euch Hoffnung. Ich bin bei euch durch alle Zeiten.  Ich gebe euch Leben in Fülle. Ich gebe euch ewiges Leben.  Ich kenne alle menschlichen  Schwächen und Versäumnisse, ich kenne eure Schuld und Sünden gegen Gott und gegen euch untereinander und gegen euch selbst. Aber: Ich gebe euch die Verheißung  alles wird gut. Wenn ihr mich sucht, werde ihr mich finden.“

Jesus ist einer von uns, der uns das im Namen seines Vaters verspricht. Das gibt Hoffnung

 

 In jeweils ihrer Zeit gab Gott den Menschen sein Vertrauen und seine Hingabe. Jede Zeit hat die Erfahrungen mit Go9tt ausgedeutet und aufgeschrieben. In der jeweiligen Zeit konnten die Menschen die Texte der Bibel verstehen,  wir heute müssen sie auf unsere Zeit übertragen und deuten. Wir müssen Lesen,  Hören und Verstehen lernen. Wir müssen uns an den Texten reiben und sie abarbeiten, wie es der jugendliche in der Pubertät an seinen Eltern tut.  Aber wir können sicher sein, dass uns der Vater nicht verlässt, auch wenn wir andere Wege gehen.

 

Und dann haben wir Leben in Fülle: in einer Fülle und einem Reichtum von dem die Erntedankgaben hier nur ein ganz schwaches Abbild sind.

 

Ich möchte Sie einladen zur Ausstellung und den Programmen der Fabi zur „Expedition Bibel. Machen Sie sich auf den Weg, Lust am Wort Gottes, Lust an der Bibel mit allen Sinnen zu suchen und zu finden, denn dieses Buch ist ein   Buch der Liebe. Ein Buch der Liebe Gottes zu uns und allen Menschen. Amen

 

 

 



 29.Juli 2012  "Brotvermehrung"



EVANGELIUM: JOH 6,1-15 ( in einer Übersetzung uns Ausdeutung von W.Willms)

Aus dem hl. Evangeluim nach Johannes

 

Und so machte sich jesus aus dem staub

fuhr in eine andere Gegend

aber auch da

sprach sich

schnell rund

da ist einer

ein mensch

da müsst ihr hingehen

und die menschen gingen hin

und alle warteten auf einen menschen

viele menschen staunten

männer frauen und kinder

tausende

mitten in der wüste

sie wollten ihn hören

ihn sehen

ihn berühren

sich berühren-

sich anrühren lassen

von einem menschen

wenn er den mund auftat

regnete es brot aus der luft

brot vom himmel

dann fiel hoffnung aus dem himmel

dann ging ein strahlen

eine welle der hoffnung

über die gesichter der menschen

in der wüste

ein mensch

eine oase mitten in der wüste

es waren lauter zukurzgekommene

die ihn erwarteten

er erzählte

wie es einmal werden wird

er erzählte von der neuen welt

die menge hing inzwischen an seinen lippen

sie ließen keines seiner

worte zur erde-

in den dreck fallen

-      das war lange nicht dagewesen

und sie sagten das haben wir noch nie gehört

so etwas zu sagen wagte noch keiner

ja, er wagte es die welt auf den kopf zustellen

 

als jesus aufschaute,

er schaute meist in sich hinein

und holte das was er sagte ganz tief aus sich heraus,

 

als jesus also aufschaute

sah er eine große menge menschen

hinkende auf krücken

lahme auf tragbaren

verstümmelt

blinde die ganz ohr waren

taube, die ganz auge waren

die sich die hand ans ohr hielten um ja nichts zu verpassen.

er sah sie alle ,

bekam mitleid

und dachte

die brauchen was zu essen

wenn ich sie gehen lasse

werden sie auf dem weg zusammenbrechen

sie werden nicht satt von bloßer hoffnung

und bloßen worten

 

einige vorne riefen

ja erzähl weiter

 

aber Jesus fragte einen seiner freunde

wie kriegen wir die satt

philippus

sagte

1000€ reichen nicht aus

für so viele

aber woher nehmen

und ein anderer seiner freunde sagte

da ist ein kind

ein junge

der hat in seinem netz

fünf brote und zwei fische

und andreas fügte gleich hinzu

das ist soviel wie nichts

 

und jesus sagte

wo ist der junge

wenn jeder gibt

was er hat

dann werden alle satt

 

und  da kam der junge auch schon

jesus schaute den jungen an

der strahlte vor freude

er war von weit her gekommen

jesus zu sehen und zu hören

jesus sagte zu ihm

wie heißt du

er sagte salomon heiße ich

 

und jesus darauf

salomon willst du deine brote und fische

abgeben

dass jeder was bekommt

 

und ohne zu antworten gab der junge

Jesus die brötchen  und die fische

 

und da hatte jesus die brötchen in der

hand, segnet sie und brach sie in viele

kleinen stücke

und rief

wer ganz viel hunger hast

der komme

und da kamen einige kinder,

und alte mit rändern unter den Augen

der hunger schaute ihnen aus dem gesicht

und es kamen immer

mehr

 

und ie jünger ließen die menschen

sich setzten

da wo sie standen und sie

lagerten auf der

erde

und außen und wurden alle satt

 

und von den resten sammelten  sie

noch 12 körbe

 

und die menschen waren verwundert

und verstanden nicht

 

und wollten ihn bei sich behalten

 

er aber floh ans andere ufer

des sees


Predigt / Bildmeditation  ( bitte anklicken)  .doc - Datei

 






24.Juni  Geburt Johannes des Täufers 

Vor drei Wochen wurde unser Enkel Jan (Kurzform von Johannes) geboren. Er wirbelte die junge Familie und auch die Großeltern mit seinem Erscheinen in der Welt durcheinander. Schon in der Schwangerschaft richtete sich die Erwartung der Familie auf das kleine Kind aus. Jetzt nach der Geburt hat sich allen verändert: die Nachte für die Eltern werden kürzer, der Tagesablauf neu bestimmt und auch die Schwerpunktsetzungen haben sich verändert.

Genauso wirbelt das Geburtsfest des Johannes des Täufers den Gottesdienstplan durcheinander. Statt des 12. sonntags feiern wir heute- weil das Fest Vorrang hat- die Geburt des Täufers.

Sicher ein Grund zu fragen, welche Bedeutung Johannes hat, welche Botschaft sein Leben an uns hat? 


Evangelium:


Johannes wird geboren
57 Für Elisabet kam die Zeit der Geburt
und sie brachte einen Sohn zur Welt.
58 Ihre Nachbarn und Verwandten hörten,
dass der Herr ihr so große Barmherzigkeit erwiesen hatte.
Sie freuten sich mit ihr.

59 Dann, als das Kind acht Tage alt war,
kamen sie zur Beschneidung.
Sie wollten ihm den Namen seines Vaters Zacharias geben.
60 Aber seine Mutter widersprach:
"Nein, er soll Johannes heißen!"
61 Sie hielten ihr entgegen:
"Es gibt niemanden in deiner Verwandtschaft,
der so heißt."
62 Da fragten sie seinen Vater durch Zeichen:
"Wie soll er heißen?"
63 Er verlangte ein Wachstäfelchen
und schrieb:
"Er heißt Johannes."
Darüber wunderten sich alle.
64 Im selben Augenblick konnte Zacharias wieder sprechen.
Und er fing an, Gott zu loben.

65 Große Furcht überkam alle,
die aus der Nachbarschaft gekommen waren.
Und im ganzen Bergland von Judäa sprach sich herum,
was geschehen war.
66 Alle, die davon hörten,
machten sich darüber Gedanken.
Sie fragten sich:
"Was wird aus diesem Kind einmal werden?"
Denn offensichtlich stand es unter dem besonderen Schutz des Herrn.


Predigt

4. März   Verklärung

Die Jünger sehen Jesus in der Herrlichkeit Gottes
2 Sechs Tage später nahm Jesus
Petrus, Johannes und Jakobus mit sich.
Er führte sie auf einen hohen Berg,
wo sie ganz für sich waren.
Da veränderte sich sein Aussehen vor ihren Augen:
3 Seine Kleider wurden strahlend weiß -
kein Tuchhersteller dieser Welt
kann Stoff so hell machen.
4 Dazu erschienen vor ihnen Elija und Mose.
Die redeten mit Jesus.
5 Und Petrus sagte zu Jesus:
"Rabbi, es ist gut,
dass wir hier bei euch sind.
Wir wollen drei Zelte aufschlagen:
eins für dich,
eins für Mose
und eins für Elija.
6 Aber Petrus wusste nicht,
was er sagte -
so erschrocken waren sie.

7 Dann zog eine Wolke auf
und ihr Schatten legte sich über sie.
Und eine Stimme erklang aus der Wolke:
"Das ist mein Sohn,
ihn habe ich lieb.
Hört auf ihn!"

8 Plötzlich waren sie mit Jesus allein.
Als sie sich umsahen,
konnten sie niemanden mehr erblicken.
9 Während sie vom Berg herabstiegen,
schärfte Jesus ihnen ein:
"Redet mit keinem über das,
was ihr gesehen habt -
solange, bis der Menschensohn vom Tod auferstanden ist."
10 Diese Worte beschäftigen sie
und sie überlegten:
Was bedeutet das, dass er von den Toten aufersteht

Predigt : bitte anklicken




Predigt  30. Oktober / 31 Sonntag Lesejahr A

Die Texte des heutigen Tages können zwei großen Situationen zugeordnet werden: Die erste Lesung und das Evangelium beschreiben religiöse Führer (Priester bzw. Pharisäer, also Gelehrte), deren Tun im krassen Gegensatz zu ihrem Reden steht. Solches tritt gerne auf, wenn die Vertreter einer Religion sich ihrer Sache sehr sicher sind, fest »im Sattel« zu sitzen meinen oder wenn die Dynamik des Anfangs lange zurück liegt. Die Ähnlichkeiten mit der Kirche unserer Tage sind frappierend.

Dagegen steht als Kontrast der Elan und der Eifer, den Paulus hat. Er setzt sich mit seinem ganzen Leben für das Evangelium ein, er ist vollkommen transparent auf Christus hin.

Es sind die beiden Extreme, zwischen denen sich unser Leben bewegt.

Für manche besteht Heiligkeit darin, nach außen den »heiligen Schein« zu wahren; Jesus jedoch hält genau das für scheinheilig.

Der vor sechs Jahren verstorbene Frère Roger hat von allen Christen gefordert, sie sollten »das vom Evangelium leben, was sie verstanden haben«.


Evangelium:


23 1 Dann wandte sich Jesus an die Volksmenge und seine Jünger.
2 Er sagte:
"Die Schriftgelehrten und Pharisäer
haben sich auf den Lehrstuhl von Mose gesetzt.
3 Alles, was sie euch sagen,
sollt ihr tun und befolgen.
Aber verhaltet euch nicht,
wie sie sich verhalten!
Denn sie selbst tun nicht,
was sie lehren:
4 Sie binden schwere Lasten zusammen,
die kaum zu tragen sind.
Die legen sie den Menschen auf die Schulter.
Aber sie selbst wollen keinen Finger krumm machen,
um sie zu tragen.
5 Alles, was sie tun,
machen sie,
damit sie von den Leuten gesehen werden.
Sie tragen besonders breite Gebetsriemen
und besonders lange Quasten.
6 Bei den Festessen
und in den Synagogen
lieben sie die Ehrenplätze.
7 Sie wollen auf den Marktplätzen gegrüßt werden.
Und die Menschen sollen sie 'Rabbi' nennen.
8 Aber ihr sollt euch nicht 'Rabbi' nennen lassen.
Denn nur einer ist euer Lehrer,
untereinander seid ihr alle Brüder und Schwestern.

9 Ihr sollt auch keinen von euch hier auf der Erde 'Vater' nennen.
Denn nur einer ist euer Vater:
der im Himmel.
10 Ihr sollt euch auch nicht 'Lehrmeister' nennen lassen,
denn nur einer ist euer Lehrmeister:
der Christus.
11 Wer unter euch am Größten ist,
soll euer Diener sein.
12 Wer sich selbst groß macht,
wird von Gott niedrig und klein gemacht werden.
Und wer sich selbst niedrig und klein macht,
wird von Gott groß gemacht werden."

 Predigttext bitte anklicken




Predigt am 25.9.2011

Was glauben wir- Papstbesuch in Deutschland


Die Bronzestatue stammt von dem Künster Toni Zenz-Köln


Lesungstext - Psalm (Bitte anklicken)

Predigttext  ( bitte anklicken)



Predigt am 31.07.2011

18.Sonntag Lesejahr A

Die Speisung der 5000-Brotwunder 

Text der Predigt  Bitte abklicken




Predigt am 1. Mai

"Zweifler, Ungläubiger  Thomas





Predigt   im Januar

12. Januar : Taufe des Herren


Das Bild Taufe Jesu von  Sr. Eleanor Correa Llanes,ICM

lag der Predigt zu Grunde:

Text der Predigt  (bitte anklicken)


19.September . Faire Woche

Bericht, Lesungstext Amos und Predigt zur Fairen Woche (word Datei)









19.Sonntag imJahreskreis Lesejahr C


Texte, Einführung, Lesung und Evangelium, Predigt ( bitte anklicken - pdf-datei)


Film "Leben in Schachteln" Bruno Bozetto  ( Bitte anklicken - youtube)


Diesen Film habe ich als Einsteig gewählt / dannach kam eine kurze Predigt









Predigt zum 10.Sonntag im Jahreskreis

Jesus erweckt den Jüngling von Nain 

Hoffnungszeichen vom Kirchentag

( Word-Datei-Bitte anklicken)




Predigt zum Misereorsonntag  21.03.2010  bitte anklicken

Lesung:  der barmherzige Samariter




Aktuelle Predigt  2. Sonntag im Jahreskreis, 17.Januar : Hochzeit zu Kana ) 

pdf-datei-bitte anklicken



 Predigt: Fest der Erscheinung des Herrn/ Hl. Dreikönige -pdf bitte anklicken



Predigt zum Nikolaustag- pdf Datei, 









Aktuelle Predigt - 26.Sonntag, Lesejahr B
27.09.2009  "Perspektiven schaffen" _ Fairer Handel

(bitte anklicken)




 16.Sonntag 2009 im Kirchenjahr Lesejahr B

 

AUS DEM HL. EVANGELIUM NACH MARKUS 9,38‑41

In jener Zeit sagte Johannes, einer der Zwölf, zu Jesus: Meister, wir haben gesehen, wie jemand in deinem Namen Dämonen austrieb; und wir versuchten, ihn daran zu hindern, weil er uns nicht nachfolgt.

Jesus erwiderte: Hindert ihn nicht! Keiner, der in meinem Namen Wunder tut, kann so leicht schlecht von mir reden. Denn wer nicht gegen uns ist, der ist für uns.

Wer euch auch nur einen Becher Wasser zu trinken gibt, weil ihr zu Christus gehört ‑ Amen, ich sage euch: er wird nicht um seinen Lohn kommen.


Predigt zum 16.Sonntag Lesejahr B

Als er  „ die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben.“    Zweimal in meinem Leben habe ich Hirten auf dem freien Feld erlebt, Hirten, die sich voll und ganz um ihre Herde kümmerten. Ihnen nachgingen, sie sicher leiteten und mit Ruhe und Geduld führten. Es war ein erhebender Anblick, der Hirt aufgerichtet mit seinen Hunden und dem Hirtenstab in der Hand. Naturburschen eben. Bei Wind und Wetter draußen, die Nächte im Schäferkarren. 

In den  letzten Wochen ist es mir gelungen eine kleine Schafherde bei  „ebay“  zu ersteigern. Nun stehe ich hier, die Herde  ist aufgebaut.  Ein Zeichen mehr nicht.  „Unruhige Schafe bedürfen des Hirten.  Sie sind verschreckt, unruhig, angstvoll.  Sie laufen ziellos durch die Weide, haben nicht die Ruhe zu fressen. Sie sind unglücklich.  Da ist der Hirte gefragt“.

Ich habe einmal  in der Berufsbeschreibung von Hirten nachgelesen, welche Kompetenzen  und Qualifikationen so ein Hirt haben sollte:  

Bewerber/-innen sollten ...

.. bereit sein, sich in das Verhalten von Tieren hineinzuversetzen, sich gegenüber den Vierbeinern aber auch durchsetzen können, schnell reagieren und ausgeglichen sein, zupacken können.  Ob in der Wanderschäferei oder in Stall- und Koppelhaltung: Schäfer züchten Qualitätstiere und produzieren Wolle. Sie versorgen und füttern Schafe, ziehen Jungtiere auf und pflegen kranke Tiere. Für die Zucht suchen die Tierwirte und Tierwirtinnen geeignete Böcke aus, leisten Geburtshilfe und kümmern sich um Lämmer und Muttertiere.

Sie  beobachten genau, wie sich der Tierbestand entwickelt. Sie sollten bereit sein, auch am Wochenende und an Feiertagen zu arbeiten.  Für Schafe in Koppelhaltung richten sie Koppeln ein und erstellen Weidepläne. die vielseitige Tätigkeit und dass es genau das Richtige für diejenigen ist, die gerne mit Tieren arbeiten möchten.

Diese Hirtentätigkeiten erwartete Jesus und erwarten wir von einem Hirten.  Hirte sein, heißt sich auf Menschen einlassen, sie pflegen, sie beschützen, ihnen nahe sein.  Die Hirten im „Alten“ oder 1. Testament  haben diese Aufgaben nicht erfüllt und Jeremias rügt sie. Sie haben ihren Auftrag „sorgen für“ den anderen in den Hintergrund geschoben und nur ihre Macht und Bedeutung gesehen. Sie arbeiteten für „sich“- eigennützig und egoistisch. Sie erwartet die Strafe des Herrn. Aber Gott verheißt: Ich bringe sie zurück auf ihre Weide; sie sollen fruchtbar sein und sich vermehren.
Ich werde für sie Hirten bestellen, die sie weiden, und sie werden sich nicht mehr fürchten und ängstigen und nicht mehr verlorengehen –

Wer sind nun diese Hirten: Das Vorbild und der Maßstab ist sicher Jesus, der gute Hirt. Aber er hat seine Aufgabe weitergegeben z.B. an Petrus mit dem Satz „Weide meine Lämmer“ – einem Petrus der sowohl Stärken als auch seine Schwächen hatte. Petrus der Oberhirte.  Und von ihm ging der Auftrag an die vielen „Pastores“ , die vielen  „Hirten“  in der jungen Kirche. Immer in der Sorge um den Menschen. -   Ein Auftrag an die Bischöfe, ausgezeichnet mit dem Hirtenstab als Zeichen der Aufgabe, die Pastöre, die Kapläne und nicht zuletzt an uns, an jeden von uns im Rahmen und der Berufung zum allgemeinen Priestertum. Wir alle sollen das Hirtenamt ausfüllen.

In der Aufgabenbeschreibung für Theologen fand ich folgende Aufstellung über die Interessen, die ein Theologe mitbringen sollte: :

   Neben dem Interesse  an philosophischen und theologischen Fragen (unter anderem die Bibel) sollte eine Neigung in einer Kirche zu leben und sich an sie zu binden  stehen. Wissenschaftliche Arbeiten, pädagogische Tätigkeit, Umgang mit Menschen, seelsorgerische Gespräche, Organisation analysierendes und  systematisches Denken und Fähigkeit zum Vortag (Predigt)  runden die Interessen ab.

Seit dem 19.Juni 09 begehen wir das „Jahr des Priesters“. Papst Benedikt  ruft die Priester zu Erneuerung auf und macht seine Überlegungen am Pfarrer von Ars fest.  Johannes-Maria Vianney * 8. Mai 1786 er † 4. August 1859 in Ars, auch bekannt als der Heilige Pfarrer von Ars, , ist einer der größten Heiligen der Kirche und wurde 1929 zum Patron aller Pfarrer der Welt ernannt.  In einem ausführlichen Schreiben  nimmt Der Hl. Vater zum Leben des Heiligen Stellung.   Gekennzeichnet ist das Leben durch seine Unerschrockenheit, seinen Einsatz in ausweglosen Situationen, in seiner persönlichen Armut und Hingabe zu den ihm Anvertrauten.  Caritas und  Liturgie sollten den Menschen in die leere Kirche zurückführen, das gelang durch Liebe zu Gott und den Menschen. Heute würden wir sagen, dieser Mensch war authentisch. Die Menschen konnten etwas mit ihm anfangen.  Viele Legenden und Geschichten  haben die Biografen der Realität zugefügt. „Immer war er in der Kirche zu finden, wenn man ihn suchte“  Aber andere Quellen berichten auch von seinem Herausgehen aus der Kirche, seinem Zugehen auf die Menschen. Die Mädchen im Heim, die durch ungewollte Schwangerschaften ins Gerede gekommen waren,  fanden in ihm Halt und Stütze. Immer war er offen für die Gefallenen und Sünder, denen er damals im Beichtstuhl Hilfen gab.  Erst nach vielen Jahren  hatte sich das erfüllt, was er wollte, die Gemeinde stand und wuchs und war wieder an Gott orientiert. Aber auch  Verleumdung  und persönliche Verzweiflung kennzeichneten sein Leben. Mehr aus einmal wollte er seiner Aufgabe entfliehen.  Nur mit Hilfe der Mitmenschen, die um ihn herum lebten und mit denen er  das leben teilte konnte er seine Aufgabe meistern. So kommt Benedikt zu dem Schluss:

„Sein Beispiel veranlaßt mich, das Feld der Zusammenarbeit zu betonen, das immer mehr auf die gläubigen Laien auszudehnen ist, mit denen die Priester das eine priesterliche Volk bilden[9] und in deren Mitte sie leben, um kraft des Weihepriestertums „alle zur Einheit in der Liebe zu führen, 'indem sie in Bruderliebe einander herzlich zugetan sind, in Ehrerbietung einander übertreffen' (Röm 12, 10)“.[10] In diesem Zusammenhang ist an die lebhafte Aufforderung zu erinnern, mit der das Zweite Vatikanische Konzil die Priester ermutigt, „die Würde der Laien und die bestimmte Funktion, die den Laien für die Sendung der Kirche zukommt, wahrhaft [zu] erkennen und [zu] fördern … Sie sollen gern auf die Laien hören, ihre Wünsche brüderlich erwägen und ihre Erfahrung und Zuständigkeit in den verschiedenen Bereichen des menschlichen Wirkens anerkennen, damit sie gemeinsam mit ihnen die Zeichen der Zeit erkennen können.“[11]

Wir müssen uns klar darüber sein, welche Verantwortung wir Christen für die Gesellschaft haben, wir sollten mutig unsere „Hirtenqualitäten“  einbringen. 

Und ein letzes: Dem Pfarrer  von Ars war seine Kirche wichtig, es war eine kleine Kirche, so wie hier unsere Kapelle.   Sie sollte Heimat sein für die Menschen. So wie  für uns. Hier in der Kapelle zeigen viele kleine Gestaltungen die Offenheit des Hauses für Menschen, da finden sich die Obdachlosen,  die Behinderten  z.B. aus der Arche, die Trauernden,  die Gebrochenen, Hilflosen  und die Schwerkranken in der Umarmung und der Stütze, die Friedensbewegung im Bild der Madonna von Stalingrad, Die Trauernden in der  Gedenkwand  mit den Gebetszetteln, die  Offenheit zum Islam, zur orthodoxen Kirche und zum Judentum  werden deutlich sichtbar.  Hier finden  Asylbewerber  und Flüchtlinge Schutz und Geborgenheit. Die Freude der Eltern über die Geburt ihres Kindes,  beim „Segen für die Kinder“. Der  Tod  und das ewige Leben werden  auch in den alten Grabkreuzen  sichtbar.  Im Laufe der Jahre haben viele hier – wenn auch manchmal nur kurz – eine Heimat gefunden und sie haben die Offenheit gespürt mit der sie in dieser Kirche aufgenommen wurden.  Selbst die,    die nicht mehr beten konnten oder wollten fanden eine Heimstätte, wie das Text  „PfarrerN“ von  Rainer Kunze im Treppenhaus bezeugt. 

Für alle die ist er da, der Gute Hirt, der seine Schäfchen aus der Unsicherheit sammelt. In Offenheit und Liebe, in Vergebung und Aufeinander zugehen.  Denn daran erkennen wir, dass der Hirte nicht nur die weißen, sondern auch die schwarzen Schafe  immer da ist.  Und das wünsche ich mir und Ihnen.